Zukunft Klinikum Mittelbaden

Informationen zur Weiterentwicklung des Klinikum Mittelbaden

 
 
 
 

Das Klinikum Mittelbaden steht – wie viele andere kommunale Krankenhäuser – vor der Herausforderung, Qualitäts- und Personalvorgaben der Gesetzbegeber mit mehr Wirtschaftlichkeit in Übereinklang zu bringen. Mit dem Rückzug aus der stationären Versorgung in den kleineren Akutkliniken Baden-Baden (Annaberg und Ebersteinburg) und Forbach sowie verschiedenen Leistungskonzentrationen an den verbliebenen Standorten in Rastatt, Baden-Baden Balg und Bühl mussten bereits große Schritte hin zu einer Zentralisierung gemacht werden.

Mit 890 Betten, die bis zum 30.06.2020 an noch fünf Standorten vorgehalten wurden, erwirtschaftet das Klinikum Mittelbaden (KMB) seit Jahren negative Jahresergebnisse.

Im Jahr 2019 wurden im KMB insgesamt rd. 39.000 Patientinnen und Patienten behandelt. Davon entfielen rund 50 % auf den Standort Balg, rund 33% auf den Standort Rastatt, rund 12% auf den Standort Bühl sowie rund 3,5% auf den Standort Forbach und rund 1,5% auf den Standort Ebersteinburg.

Mit der finanziellen Unterstützung der Gesellschafter Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden war es dem Klinikum Mittelbaden im Geschäftsjahr 2019 möglich, den Vorjahresverlust 2018 von rund 5,6 Mio. Euro auf 3,25 Mio. Euro 2019 für das KMB und seine Tochtergesellschaften zu reduzieren und gleichzeitig weitere Weichen für eine Straffung und Konzentration der Angebotsstrukturen in die Wege zu leiten.

Mit den Standorten Rastatt, Baden-Baden und Bühl erreichen 95,5 % der Menschen in Mittelbaden innerhalb von 30 Minuten eine Klinik. Dieser im landesweiten Vergleich sehr gute Wert soll auch zukünftig gesichert werden - unabhängig davon, ob weitere Zentralisierungsschritte erforderlich sind.

 
 
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Der Gutachtenerstellung gingen umfassende Datenanalysen sowie Interviews mit vielen Leistungsverantwortlichen aus dem Klinikum Mittelbaden voraus. In dem vorliegenden Strukturgutachten wurden drei Varianten eines möglichen zukünftigen stationären Versorgungsangebotes in Mittelbaden im Hinblick auf die Kriterien Versorgungsicherheit, Versorgungsqualität, Personal/Arbeitsmarktsituation und Wirtschaftlichkeit untersucht:

  • Verbleib im Status Quo (Drei-Standort-Variante, bei umfassender Sanierung der Standorte Baden-Baden Balg, Rastatt und Bühl)
  • Zwei-Standort-Variante in Baden-Baden und Rastatt
    (Neubauten oder heutige Standorte bei umfassender Sanierung)
  • Ein-Standort-Variante (Neubau)


Alle Varianten haben gezeigt, dass perspektivisch weniger stationäre Bettenkapazitäten in der Region benötigt werden. Die Spezialisierung in der Medizin und die regulatorischen und strukturellen Vorgaben im Sinne der
Versorgungsqualität werden mit zunehmender Konzentration besser abgebildet.

Das KMB ist mit seinen drei verbleibenden Standorten (Baden-Baden Balg, Rastatt und Bühl) durch zahlreiche
Doppel- und Mehrfach-Vorhaltungen (Fachabteilungen, Geräte, Personal) charakterisiert. Die Standorte befinden sich an der Grenze ihrer räumlichen Kapazität und es besteht ein sehr hoher Investitionsbedarf, um den Betrieb zu sichern.

Die Beibehaltung mehrerer Standorte hätte eine Doppel/Mehrfachvorhaltung von Fachabteilungen und Zentren zur Folge, so dass sich innerhalb bestimmter Leistungsgruppen das Behandlungsangebot dauerhaft zwischen den Kliniken aufteilt. Dadurch würde die Erreichung von Mindestmengen - ein wesentliches Kriterium einer qualitativ geforderten Zentrenbildung - verhindert.

 
 
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Mit Blick auf die bestehenden Verweildauervorgaben (wie lange darf eine Behandlung durchschnittlich einen stationären Aufenthalt beanspruchen), weiteren Ambulantisierungen (ein neuer ab 2021 geltender Katalog zwingt zukünftig noch mehr, heute stationär erbrachte Leistungen ausschließlich ambulant zu erbringen), aber auch die Auswirkungen einer weiteren Alterung der Bevölkerung und der Zustand der in die Jahre gekommenen Klinikgebäude zwingen erneut, vorhandene Strukturen auf den Prüfstand zu stellen. Wie die Bemühungen zur Neuausrichtung der stationären Versorgung in Karlsruhe und der Ortenau (um nur einige in Baden-Württemberg zu nennen) zeigen, steht Mittelbaden nicht alleine vor dieser Herausforderung.

Das Kölner Unternehmen aktiva-Beratung im Gesundheitswesen GmbH wurde im November 2019 mit einem Strukturgutachten beauftragt, welches folgende Fragestellungen beinhaltete:

  • Soll mittel- und langfristig an den drei Standorten (Baden-Baden Balg, Rastatt und Bühl) weiterhin Akutmedizin betrieben werden?
  • Sind weitere Standortreduktionen bis hin zu einer Ein-Standort-Lösung sinnvoll?


Mitte Mai 2020 wurde das Gutachten, welches inzwischen um Aussagen zu den Auswirkungen der Corona-
Pandemie auf vorzuhaltende Klinikstrukturen erweitert wurde, im Aufsichtsrat vorgestellt und anschließend allen Fraktionen im Gemeinderat Baden-Baden und Kreistag Rastatt zur weiteren Beratung übermittelt.

In einer gemeinsamen Sitzung der Kreis- und Stadträte am 1. Juli wurde das Gutachten erneut präsentiert und diskutiert.

 
 
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Folge wäre unweigerlich, dass spezialisierte Versorgungsangebote (z.B. in der Tumortherapie) in Mittelbaden nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Gleiches gilt für das Klinikpersonal, das in Folge von Doppelvorhaltungen nicht optimal und nicht mehr überall mit der erforderlichen Kompetenz eingesetzt werden könnte.

Eine Ein-Standort-Lösung in zentraler Lage unter Einhaltung der heutigen Erreichbarkeit von mindestens 95,5 % innerhalb von 30 Minuten, scheint möglich und könnte viele Einschränkungen, die sich aus einer Zwei- oder Drei-Standort-Lösung ergeben würden, verhindern und die heute leider zahlreich erforderlichen internen Verlegungen zwischen den Häusern vermeiden.

Unabhängig für welche Lösung sich die Gesellschafter der Klinikum Mittelbaden gGmbH entscheiden, der anhand von Anhaltswerten geschätzte Investitionsbedarf bzw. der detailliert bereits überprüfte Sanierungsbedarf der Be-standsgebäude belaufen sich laut Gutachten auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, während Neubau-lösungen eine rund 20 (zwei Neubauten) bis 30% (ein Neubau) geringere Investitionssumme in Anspruch nehmen würde.

Bei einer Zwei- als auch Drei-Standort-Lösung wäre nach Aussagen der Gutachter zudem dauerhaft mit negativen Betriebsergebnissen zu rechnen und diese Strukturen wären wirtschaftlich, ohne dauerhafte Betriebskostenzuschüsse der Gesellschafter, nicht tragfähig.

Die Ein-Standort-Lösung „Neubau“ hätte hingegen eine höhere Qualität der medizinischen Leistungserbringung zur Folge, da die Fachkompetenz des gesamten Personalstamms gebündelt wäre. Kurze Wege würden einen höheren Grad an Interdisziplinarität und Spezialisierung ermöglichen. Doppelvorhaltungen würden vermieden.
Nur die Ein-Standort-Lösung ist aus Sicht der Gutachter wirtschaftlich dauerhaft tragfähig.

 
 
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