1

Glossar

Behandlung von Myomen und Endometriose

Was sind Myome?

Es handelt sich um gutartige Geschwülste in der Muskelwandung der Gebärmutter. Sie können durch hormonale Stimulation bei gleichzeitig vorhandener genetischer Veranlagung im Verlauf des fruchtbaren Lebens einer Frau auftreten. Meist machen Myome keine Beschwerden, doch gelegentlich können sie Beschwerden wie immer wiederkehrenden Bauchschmerzen, starke Blutungen verursachen oder zu vergeblichem Kinderwunsch führen. Myome kommen sehr häufig vor, fast jede vierte Frau entwickelt sie im Verlauf ihres Leben (Abb. 1). Damit stellen Myome die häufigsten gutartigen Geschwülste bei der Frau dar.

 
 
Abb. 1: Myome unterschiedlichen Sitzes in der Gebärmutter (aus www.frauenarzt-im-Tal.de)
Abb. 1: Myome unterschiedlichen Sitzes in der Gebärmutter
(aus www.frauenarzt-im-Tal.de)
 
 

Kompetenzzentrum für Myombehandlung

Weil Myome häufig vorkommen und damit die verursachten Beschwerden ebenfalls sich häufen, haben wir ein Kompetenz-Zentrum für die interdisziplinäre Behandlung von Myomen gegründet. Ein solches Zentrum bedeutet die intensive Zusammenarbeit mehrerer Kliniken zum Wohl der Betroffenen – im Klinikum Mittelbaden Baden-Baden - Balg arbeiten hierfür Frauenklinik und die Radiologische Klinik eng zusammen. Im Fachkreis beraten wir die Befunde unserer Patientinnen und schlagen ein therapeutisches Konzept für die Behandlung vor, das mit unseren Erfahrungen, den Meinungen von Experten, den Leitlinien der Fachgesellschaften und vor allem den Bedürfnissen der Betroffenen abgestimmt ist. Es entsteht dadurch eine umfassende, qualitativ hochstehende Betreuung für eine jede Betroffene.

Diagnostik von Myomen

Zu Beginn einer jeden Behandlung steht die genaue Diagnostik von Myomen: Durch Tastuntersuchung, Ultraschall und gegebenenfalls weiterführende Bildgebung wie etwa durch Kernspintomografie werden die Größe, Anzahl und vor allem Lage der Myome in der Gebärmutter festgelegt (Abb. 2:). Zur Sicherung der Gutartigkeit des Geschehens werden gelegentlich invasive Schritte wie eine Ausschabung notwendig. Wir informieren unsere Patientinnen über alle vorliegenden Befunde und deren Bedeutung, dann besprechen wir das weitere individuell abgestimmte Vorgehen.

 
 
Abb. 2: MRT-Bild eines Myoms in der Gebärmutter
Abb. 2: MRT-Bild eines Myoms in der Gebärmutter
 
 

Behandlungsmöglichkeiten für Myome

Myome müssen nur dann therapiert werden, wenn sie auch Beschwerden verursachen. Schnell wachsende Myome oder Myome mit Beschwerden wie Druck auf die Blase, starken Blutungen oder vergeblichem Kinderwunsch sind daher behandlungsbedürftig, Myome ohne jegliche Beschwerden sollten nur kontrolliert und nicht behandelt werden.
Ausnahmsweise ist es sinnvoll, beschwerdefreie Myome zu behandeln, wie etwa vor einer geplanten Schwangerschaft, da sie nach Eintritt der Schwangerschaft Probleme bereiten oder ein Geburtshindernis darstellen können.

Hier sind die in unserem Haus angebotenen Behandlungsmöglichkeiten kurz beschrieben:

Hormontherapie: Grundlage für diese Therapie ist die Unterbrechung des Einflusses von Hormonen auf das Myomwachstum. Vor allem die Östrogene aus den Eierstöcken spielen durch ihre Stimulation von Muskelgewebe eine bedeutende Rolle. Mit Hilfe von Antiöstrogenen, Gelbkörperhormonen (Gestagenen) oder Medikamenten zur Ruhigstellung der Einerstöcke ähnlich wie nach den Wechseljahren (GnRH-Analoga) wird oft eine Verkleinerung des Myoms erreicht. Die Wirkung auf die Myome ist nach Absetzen der Hormone jedoch oft wieder hinfällig.

Operative Therapie: Bei Patientinnen mit Kinderwunsch oder noch nicht abgeschlossener Familienplanung sollte ein organerhaltendes Vorgehen im Vordergrund stehen. Wenn Myome kurz vor den Wechseljahren Beschwerden machen und der Kinderwunsch abgeschlossen ist, kann überlegt werden, ob zur Beschwerdefreiheit nicht die Entfernung (Hysterektomie) oder Teilentfernung der Gebärmutter (suprazervikale Hysterektomie, vor allem durch Bauchspiegelung) notwendig wird.

Organerhaltende Operationen: Die Entscheidung, ob Myome minimal invasiv oder per Bauchschnitt unter Erhalt der Gebärmutter entfernt werden (Myomenukleation) hängt von der Anzahl, der Größe und der Lokalisation der Myome ab. Bei diesen Operationen muß auf jeden Fall gewährleistet sein, daß ein ausreichender Wundverschluß an der Gebärmutter stattfindet. Denn im Falle einer Schwangerschaft muß die Narbe reißfest sein. Eine sorgfältige Überwachung während der Schwangerschaft und gelegentlich Kaiserschnitt aus Gründen einer Rupturgefahr sind nach solchen organerhaltenden Eingriffen notwendig.

Myome unterhalb der Deckschicht (subserös) sowie in der Gebärmutterwandung (intramural) können durch Laparotomie (Bauchschnitt) oder minimal invasiv durch Laparoskopie (Bauchspiegelung) entfernt werden. Sollten Myome Kontakt zur innersten Schicht der Gebärmutterhöhle haben (submukös), lassen sie sich auch durch Einsatz eines Endoskops mit einer Art Elektroschlinge entfernen (Myomabtragung durch Gebürmutterspiegelung, Hysteroskopie).

Laparotomie (Myomentfernung durch Bauchschnitt): Eine Eröffnung der Bauchhöhle ist bei großen Myomen, bei ungünstigen Lage und bei vielen Myomen in der Gebärmutterwand notwendig. Denn ansonsten ergibt sich kein sicherer Wundverschluß, der im Falle einer Schwangerschaft dem erhöhten Druck auf die Gebärmutterwand standhalten kann. Wenn es sich um eine Vielzahl von Myomen handelt, sind der Bauchspiegelung Grenzen gesetzt.

Laparoskopie (Myomentfernung durch Bauchspiegelung): Bevorzugt wenden wir dieses wenig belastende minimal-invasive Verfahren an: Es erlaubt bei hohem technischem Aufwand und großer Erfahrung der Operateure eine exzellente Qualität der operativen Eingriffe. Der Zugang geschieht meist durch Bauchspiegelung durch den Nabel (laparoskopisch) oder durch die Scheide (vaginal). Die Vermeidung eines Bauchschnittes erlaubt es den meisten Frauen innerhalb kurzer Fristen uns wieder zu verlassen. Vorteile der "minimal invasiven" Chirurgie sind eine schnelle Erholungszeit und Heilungsphase. Komplikationen sind bei hoher Erfahrung des Operateurs sehr gering. Sollten sie dennoch auftreten, können die allermeisten Komplikationen schon während der Operation erkannt und ebenfalls durch Bauchspiegelung behoben werden.

Myomentfernung durch Bauchspiegelung (Laparoskopie)
Da diese Methode in unserem Zentrum bevorzugt angewandt wird, sei sie hier näher beschreiben. Während der Bauchspiegelung wird das Myom aus der Gebärmutter herausgeschält, anschließend zerkleinert und über eine der für die Instrumente in den Bauchdecken verwendeten Hülsen (Trokare) entfernt. Bei großen Myomen bzw. mehreren Myomen bereitet der Wundverschluß gelegentlich Schwierigkeiten, dann muß entgegen der ursprünglichen Planung die Operation durch einen kleinen Unterbauchschnitt beendet werden. Die Dauer des Eingriffes beträgt je nach Schwierigkeitsgrad (Größe, Lage und Anzahl der Myome) zwischen 45 und 180 Minuten. Der Blutverlust beträgt ist sehr gering, so dass auch bei sehr schlechten Ausgangswerten meist keine Bluttransfusion gegeben werden muß. Die Krankenhausverweildauer nach dem Eingriff beträgt durchschnittlich weniger als 5 Tage.

Hysteroskopie (Operative Gebärmutterspiegelung): Submuköse Myome (in Nähe der Gebärmutterhöhle) können durch Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) von der Scheide aus entfernt werden. Mit einer elektrischen Schlinge können in die Gebärmutter hineinragende submuköse Myome unter Sicht während einer Gebärmutterspiegelung schrittweise abgetragen werden. Die einzelnen Myomanteile werden dann mit einer Kürette, einer Fasszange oder mit der Schlinge entfernt.

Hysterektomie (Gebärmutterentfernung): Bei Patientinnen mit abgeschlossener Familienplanung wird meist die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) durchgeführt. Diese wurde bis vor einigen Jahren entweder durch Bauchschnitt (abdominal) oder über die Scheide (vaginal) vorgenommen. Heutzutage muß nur noch selten ein Bauchschnitt zur Gebärmutterentfernung bei Myomen durchgeführt werden. Eine Gebärmutterentfernung kann entweder durch Bauchspiegelung oder durch die Scheide (vaginal) durchgeführt werden, somit weitaus geringer die Betroffene belasten. An unserem Zentrum für Myombehandlung werden Entfernungen der Gebärmutter mit Myomen bevorzugt durch die sogenannte laparoskopisch assistierte suprazervikale Hysterektomie (LASH, Entfernung der Gebärmutter durch Bauchspiegelung unter Belassen des Gebärmutterhalses) durchgeführt.

LASH (Laparoskopische suprazervikale = durch Bauspiegelung - Hysterektomie)
Seit 2002 wird diese Operation zunehmend an der Frauenklinik mit einer sehr geringen Komplikationsrate durchgeführt. Die Eierstöcke können meistens erhalten bleiben, so dass die hormonelle Situation nicht beeinflusst wird. Wenn der Gebärmutterhals (Zervix) nicht durch Myome verändert ist und keine Auffälligkeiten im Zellbild vorliegen, legen wir Wert darauf, dass das Zusammenspiel vom Gebärmutterhals mit den Aufhängebändern erhaltenswert ist. Durch diese Art des Teilentfernung eines Organs wird nach unseren Erfahrungen kein Einfluss auf die Entwicklung einer Senkung (Descensus) des Gebärmutterhalses oder der gar der gesamten Scheide ausgeübt. Die laparoskopische suprazervikale Hysterektomie (LASH) stellt aus unserer Sicht eine wenig belastende Alternative zur kompletten Gebärmutterentfernung dar, dazu müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen wie ein unauffälliger Krebsvorsorgeabstrich vorliegen und bösartige Veränderung des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) ausgeschlossen sind.

Myomembolisation (Veröden von Myomen durch Minderdurchblutung)
Ein sehr wenig belastendes Verfahren zum Erhalt der Gebärmutter stellt die Myomembolisation als ein radiologischer Eingriff dar. Unter örtlicher Betäubung wird die Leistenarterie mit einer Hohlnadel (Kanüle) punktiert. Bei Röntgen-Durchleuchtung wird ein Katheter (dünner Schlauch) in die Arterie eingeführt und bis in die Gebärmutter-Arterie (Arteria uterina) vorgeschoben. Durch Einbringung von sehr kleinen Partikeln durch den Katheter werden die Arterien der Gebärmutter verstopft, wobei diese Embolisationspartikel mit dem Blutfluß in die kleineren Gefäße abgeschwemmt werden. Der Verschluß-Effekt wird durch Gefäßdarstellung (Angiografie) vor dem Röntgenschirm kontrolliert. Nach Entfernung des Katheters wird die Punktionsstelle in der Leiste komprimiert, bis die Einstichstelle abgedichtet ist. Der gesamte Eingriff dauert normalerweise etwa 90 Minuten. Ein stationärer Aufenthalt ist ratsam, da die Embolisationstherapie insbesonders direkt nach dem Eingriff starke, regelähnliche Schmerzen und Krämpfe verursachen kann. Erfahrungsgemäß setzt eine Schrumpfung der Myome innerhalb eines halben Jahres ein, so daß durch diese Verkleinerung der Myome auch die damit verbundenen Beschwerden verschwinden.

Wir haben unsere Ergebnisse mit dieser wenig belastenden, nicht-operativen Methode ausgewertet und sehen dieses Verfahren als eine Alternative für Frauen mit Myomen in der Gebärmutter an, die keinen Kinderwunsch mehr haben und gerne die Gebärmutter erhalten haben möchten. Über 90% der behandelten Frauen berichten über eine starke Verbesserung der Beschwerden oder Beschwerdefreiheit, und die meisten Patientinnen werteten den Eingriff als "sehr tolerabel". Die Myome schrumpfen in ihrer Größe um durchschnittlich 50% nach 3 Monaten, mit einer entsprechenden Verringerung der Gesamtgröße der Gebärmutter.

Wir stehen für Sie zur Beratung und Behandlung zur Verfügung!

Unser interdisziplinäres Zentrum für Myombehandlung an der Frauenklinik des Klinikums Mittelbaden Baden-Baden - Balg ermöglicht es uns, Behandlungen unfassend und von höchster Qualität anzubieten. Wir müssen uns immer wieder selbstkritisch reflektieren und unser Vorgehen anhand der erzielten Resultate überprüfen. Optimale Behandlungsergebnisse, hohe Zufriedenheit unserer Patientinnen, aber auch durch exzellente interdisziplinäre Zusammenarbeit sind Aufgaben unseres Behandlungszentrum für Myome. Unser Zentrum steht allen Frauen mit Fragen zur Vorbeugung, Behandlung und Nachsorge von Myomen zur Verfügung. Ziel ist es, Frauen mit Myomen die beste Beratung und Behandlung anzubieten.

Minimal-invasive Chirurgie („Schlüssellochchirurgie")

Die minimal invasive Chirurgie, manchmal auch als „Schlüssellochchirurgie“ bezeichnet, gewinnt in den letzten Jahren an zunehmender Bedeutung in der gynäkologischen Chirurgie.

Der Begriff beinhaltet verschiedene Operationsverfahren zur Durchführung von „Bauchoperationen“. Im Unterschied zur herkömmlichen „Bauchchirurgie“ verzichtet man auf große Hautschnitte in dem man durch kleine Hautinzisionen am Bauch tlw. auch komplexe Operationen durchführen kann. Ermöglicht wird dieses Verfahren durch eine Lupenoptik die meist über den Nabel in die Bauchhöhle eingeführt werden kann und auf diesem Weg eine dtl. bessere Sicht auf das Operationsgebiet ermöglicht.

Vorteile dieser Operationsmethode sind vor allem die wesentlich kleineren Narben, die eine solche Operation hinterläßt und teilweise später kaum mehr zu sehen sind. Darüberhinaus ist der Blutverlust dtl. geringer. Der Aufenthalt im Krankenhaus wird hierdurch verkürzt und mögliche Schmerzen nach einer Operation werden deutlich reduziert. Manche Eingriffe können auch ambulant durchgeführt werden.

Minimal invasive Operationsverfahren stehen für eine zunehmende Anzahl von Operationen zur Verfügung. Die Bandbreite erstreckt sich mittlerweile von rein diagnostischen Eingriffen über Ovarialzystenentfernungen und Gebärmutterentfernungen bis hin zu onkologischen Eingriffen bei frühen Tumorstadien. Auch urogynäkologische Eingriffe sind auf diese Weise durchführbar. In Kombination mit Operationen die von der Scheide aus durchgeführt werden ist die minimal invasive Chirurgie ebenfalls einsetzbar.

Unser Team der Frauenklinik in dem Klinikum Mittelbaden Baden-Baden Standort Balg setzt diese modernen Operationsverfahren konsequent ein um die Notwendigkeit eines „Bauchschnitts“ auf ein Minimum zu reduzieren

Arthroskopien

Verletzungen innerhalb eines Gelenkes können heute oft durch sogenannte „minimalinvasive Operationen“ behandelt werden. Hierzu wird zunächst, durch einen ca. 1 cm langen Schnitt, mit einer  Kamera in das Gelenk hineingeschaut durch ein zweites Arbeitsportal können dann Operationen z.B. am Meniskus oder den Bändern durchgeführt werden. Diese Methode ermöglicht Operationen ohne größere Schädigung des umgebenden Gewebes, was im Vergleich zur offenen Operation deutlich weniger Schmerzen und eine schnellere Heilung bedeutet. Diese Operationen können deshalb, falls keine Kontraindikationen vorliegen, als ambulante Operationen durchgeführt werden. Sollte die Nachversorgung zuhause nicht möglich sein, kann mit dem Klinikum Mittelbaden ein „Hotelvertrag“ abgeschlossen werden.

Auch „größere“ Schäden können durch Kombinationen aus offener und minimalinvasiver Operation behoben werden. So werden in unserer Klinik Kreuzbandersatzoperationen, Meniskusersatzoperationen und Schulteroperationen mit Refixierung der Gelenklippe durchgeführt. Solche Operationen erfordern einen kurzen stationären Aufenthalt von ca. 3 bis 4 Tagen.

Schultergelenksspiegelung

  • Bei Verletzungen der Rotatorenmanschette
  • Bei Einengungen des Schultereckgelenkes
  • Bei Schädigung des Schultergelenkes nach Luxationen

Kniegelenksspiegelung

  • Meniskusverletzungen
  • Bandverletzungen
  • Knorpelverletzungen

Vordere Kreuzbandplastik.

Endoprothetischer Gelenkersatz

Verwendete Prothesen:

Hüftgelenksendoprothesen:

  • Duokopfprothesen
  • Kurzschaftprothesen
  • Standardprothesen
  • Langschaftprothesen

Knieendoprothesen:

  • Teilprothesen/unicondyläre Schlittenprothesen
  • Oberflächenersatzprothesen
  • Gekoppelte Prothesen
  • Kniescheibenrückflächenersatz
  • Wechselprothesen

Schulterprothesen:

  • Humeruskopfprothesen/Frakturprothesen
  • Inverse Prothesen
 
 

Hüftgelenkendoprothesen

Duokopfprothesen:

Duokopfprothesen werden vorwiegend bei Schenkelhalsbrüchen eingesetzt, dabei wird im Gegensatz zur Vollprothese nur
der Kopf des Oberschenkelknochens ersetzt, die ursprüngliche Gelenkpfanne bleibt erhalten. Dieser Prothesentyp kann nur verwendet werden wenn die Hüftgelenkspfanne noch nicht zu stark abgenutzt ist. 

 
 
Duokopfprothesen
Duokopfprothese
 
 

Kurzschaftprothesen:

Zwischenzeitlich wird der kurze Prothesenschaft immer häufiger verwendet, vor allem bei jüngeren Patienten mit stabiler Knochengrundstruktur. Dieses Prothesenmodell ermöglicht, viel Knochen in der Schenkelhalsregion zu belassen, die Knochenbälkchen werden im Markraum des Oberschenkelknochens nur im obersten Bereich verdichtet um ein Lager für den Prothesenschaft zu schaffen. Der Grundsatz, möglichst wenig ursprünglichen Knochen bei der Erstimplantation zu entfernen, wird dabei berücksichtigt.

 
 
fortgeschrittene Arthrose
Kurzschaftprothese
 
 

Bei einer fortgeschrittenen Arthrose bei einem 49 jährigen Patienten (rechts) wurden hier, aufgrund der guten Knochenstruktur und des noch jungen Alters, eine unzementierte Pfanne und eine unzementierte Kurzschaftprothese implantiert.

Prothesen mit Standardschaft:

Typischerweise werden solche Prothesen bei Patienten implantiert, die an einer fortgeschrittenen Arthrose des Hüftgelenkes leiden. Die modernen Pressfit-Pfannen können meist ohne Knochenzement eingebracht werden, sie verklemmen sich im Knochen und wachsen anschließend in den Knochen ein. Hüftschäfte werden bei stark ausgebildetem Knochen ebenfalls ohne Knochenzement eingebracht. Bei bereits eingetretener Schwächung des Knochens z.B. durch Osteoporose oder fortgeschrittenem Alter wird der Hüftprothesenschaft mit Knochenzement im Knochen verankert.

 
 
Implantation einer teilzementierten Prothese (Pfanne unzementiert, Schaft zementiert, bei einem 78 jährigen Mann)
 
 

Langschaftprothesen:

Langschaftprothesen werden meist bei Wechseloperationen eingesetzt, da sich der neue Prothesenschaft tiefer im Oberschenkelknochen verankern muss.

 
 
Implantierte Langschaftprothese rechts
Implantierte Langschaftprothese rechts
 
 

Kniegelenkendoprothesen

Teilprothesen/unicondyläre Schlittenprothesen

Teilprothesen kommen bei einer umschriebenen Schädigung des Kniegelenks zum Einsatz, die Kreuzbänder und ein Teilkompartiment des Gelenkes können erhalten werden.

 
 
Kniegelenkendoprothese
Kniegelenkendoprothese

Oberflächenersatzprothesen

Bicondyläre Oberflächenersatzprothesen stellen die am häufigsten implantierten Prothesenmodelle am Kniegelenk dar. Hier werden die Gelenkflächen am Oberschenkel und Unterschenkel vollständig ersetzt, die Kniescheibengelenkfläche wird nur bei Bedarf (starke Abnutzung) ersetzt.

 
 
Implantierte Oberflächenersatzprothese ohne Ersatz der Kniescheibe.
 
 

Gekoppelte Prothesen

Diese Prothesen stellen mit ihrer Verankerung im Inneren des Knochenschaftes typische Wechselprothesen dar, wenn im Bereich der Gelenkoberfläche meist keine ausreichende Verankerung mehr möglich ist. Gekoppelte Prothesen werden auch dann eingesetzt, wenn keine ausreichende Führung durch die vorhandenen Seitenbänder gewährleistet ist.

 
 
Gekoppelte Prothese
Gekoppelte Prothese
 
 

Gekoppelte Totalendoprothese des Kniegelenkes, auf den Bilden ist der in den Markraum des Ober- und Unterschenkelknochen reichende „Prothesenstamm“ abgrenzbar, dieser stabilisiert die implantierte Lauffläche zusätzlich.

Kniescheibenrückflächenersatz

Die Rückfläche der Kniescheibe wird meist dann ersetzt, wenn es durch den Gelenkverschleiß zu einer deutlichen Veränderung des Knochens im Bereich der Kniescheibe gekommen ist. Bei den verwendeten Kniegelenksendoprothesen ist aber oft die einfache Wiederherstellung der Form ausreichend, so dass auf den Ersatz der Kniescheibenrückfläche verzichtet werden kann.

 
 
Kniescheibenrückflächenersatz
 
 

Schulterprothesen

Frakturprothese

Bei komplexen Oberarmknochenbrüchen wird die Implantation einer Frakturprothese erforderlich, hier wird nur der Kopf des Oberarmknochens ersetzt.

 
 
Frakturprothese
Frakturprothese
 
 

Inverse Schulterprothese

Die Struktur des Schultergelenks wird umgekehrt. Aus biomechanischer Sicht ist es bei fehlender Rotatorenmanschette besser wenn der Drehpunkt des Gelenks zur Seite hin verlagert wird. So kann die Schultermuskulatur zum Anheben des Armes verwendet werden.

Erkrankungen des Enddarms und des Analkanals

Leistungsspektrum

  • Hämorrhoidalleiden, Sklerosierung, Barron-Ligatur, Infrarot, Operation (z.B. Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo, Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan, Fansler Arnold)
  • Analfissuren (konservative und operative Behandlung)
  • Anorektale Fisteln und Anorektale Abszesse, Operation (Drainage, Exzision, Plastische Rekonstruktion, Fistel-Plug, OTSC Proctology Fistel-Clip)
  • Analvenenthrombosen
  • Peri- und intraanale Tumore (Condylomata, Marisken, Polypen)


  • Sinus pilonidalis: Exzision, Plastischer Verschluss Exzision und offene Wundbehandlung. Exzision und plastische Rekonstruktion durch Verschiebelappenplastik Limberg Plastik, Duffourmentel-Plastik – geschlossene Wundbehandlung
  • Anale Inkontinenz: konservative Therapie, Operation (z.B. Sakral-Nerven-Stimulation SNS)
  • Entleerungsstörungen des Anorektums (Obstruktions-Defäkations-Syndrom ODS): konservative Therapie, Operation (z.B. transanale Stapler-Rektumresektion S.T.A.R.R., Contour Transtar)
  • Perianal-Ekzem
  • Anorektale Tumornachsorge und -vorsorge
  • Enddarmkrebs

Proktologie

Erkrankungen des Enddarms, die auch als proktologische Erkrankungen bezeichnet werden, können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Aus Schamgefühl werden die damit verbundenen Beschwerden jedoch nur selten beim Hausarzt angesprochen und eine geeignete Behandlung verhindert. Demzufolge verschlimmern sich häufig gut behandelbare und ungefährliche Leiden wie Hämorrhoiden, Fissuren und Fisteln und gefährliche Folgekrankheiten werden mit meist schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu spät erkannt. Dabei ist die Diagnostik und Therapie vieler Enddarmerkrankungen in der Hand erfahrener Proktologen präzise, schonend und schmerzarm. 

 Mit unseren modernsten Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten,  entsprechend dem aktuellen  medizinischen Standard, bieten wir Ihnen kompetente  und diskrete Hilfe in allen proktologischen Belangen –  bis hin zur komplexen Enddarmoperation.

Verletzungen des Weichgewebes

Manchmal bedarf es nur weniger Stiche um z.B. eine kleine Schnitt- oder Platzwunde zu versorgen, manchmal sind aber auch ausgiebigere Rekonstruktionen z.B. bei Defekten erforderlich. Je nach Lokalisation der Verletzung muss dann entweder ein Hautlappen mobilisiert und anschließend „geschwenkt“ werden.

Bei großen, kontaminierten Wunden wird zunächst eine kontinuierliche Unterdruckbehandlung eine sogenannte V.A.C. oder Vakuumtherapie durchgeführt. Unter Anwendung dieses Therapieverfahrens bildet der Körper neues Gewebe. Anschließend kann der Defekt dann mit einem „Spalthauttransplantat“ gedeckt werden.

Verrenkungen der Gelenke

Kommt es zu einer Verrenkung eines Gelenkes, ist es zunächst erforderlich, die normale Gelenkstellung wiederherzustellen. Dies führt gleich zu einer deutlichen Schmerzlinderung. Des Weiteren werden die umgebenden Strukturen wie Bänder, Sehnen, Blutgefäße und Nerven gedehnt, diese Überbeanspruchung muss möglichst rasch beseitigt werden um bleibende Schäden zu vermeiden. Begleitende Brüche, Bandverletzungen oder Verletzungen der Blutgefäße werden, soweit erforderlich, operativ versorgt.

Verrenkungsbruch des Sprunggelenkes

 
 
Abb. 1
 Abb. 2
 
 

Verrenkungsbrüche der Gelenke müssen möglichst schnell reponiert und mit Platten und Schrauben fixiert werden.

Verrenkungsbruch des Schultergelenkes

 
 
 Abb. 3
 
 

Die Verrenkung des Schultergelenks ist eine Verletzung, die häufig vorkommt, wenn beim Stürzen versucht wird, sich mit dem Arm abzufangen

Verrenkung Ellenbogengelenk

 
 
Abb. 4
Abb. 5
 
 

Verrenkung des Ellenbogengelenkes mit Riss der Arterie und Seitenbandabriss. In diesem Fall genügt nicht nur das einfache Einrichten. Das abgerissene Band wurde mit einer Schraube befestigt und zum Schutz der wiederhergestellten Arterie zusätzlich ein Fixateur extern (hier als Bewegungsfixateur) angebracht.

Wirbelsäulenchirurgie

Pneumologie

Wir diagnostizieren und behandeln sämtliche Krankheitsbilder der Pneumologie. Schwerpunkte bestehen in folgenden Bereichen:

• obstruktive Atemwegserkrankungen
• infektiöse Erkrankungen der Lunge
• Lungengefäßerkrankungen und kardiopulmonale Interaktion
• bösartige Erkrankungen der Lunge, der Bronchien und
des Rippenfells

Die Behandlung von Lungen- und Bronchialtumoren erfolgt fachübergreifend in Kooperation mit den Fachbereichen Hämatologie/Onkologie, Thoraxchirurgie, Strahlentherapie und weiteren niedergelassenen Partnern. 

Thoraxchirurgie

Wir behandeln in unserem Haus alle Erkrankungen der Organe des Brustkorbes mit Ausnahme der Herzchirurgie. Die Leistungen umfassen sämtliche Untersuchungen vor einer geplanten Operation über die Eingriffe am Brustkorb und der Lunge bis hin zur Nachsorge in speziellen Fällen. Schwerpunkte bestehen in folgenden Bereichen:

• Lungenkrebs
• Lungenmetastasen
• Rippenfellerkrankung

• Thoraxwanddeformationen (Trichterbrust)
• Erkrankung des Mediastinums
• Hyperhidrosis (krankhaftes Schwitzen)

„Abhobelung“ der Prostata (Transurethrale Resektion, kurz TUR-P)

Die im Volksmund „Abhobelung“ genannte TUR ist das älteste Verfahren der minimal-invasiven Chirurgie überhaupt und gilt immer noch als der sogenannte „Goldstandard“ bei der operativen Behandlung der gutartigen Prostata-Vergrößerung. Sie wird mit Hilfe eines Resektoskops (Gerät zur Blasenspiegelung) durchgeführt. Ein Resektoskop verfügt über eine Lichtquelle, einen Kanal für die Sicht des Operateurs, eine Flüssigkeitszufuhr und einen Arbeitskanal.

OP-Technik:
Für die TUR wird eine Drahtschlinge genutzt, über die ein elektrischer Strom fließt. Damit wird erkranktes bzw. den Harnfluss behinderndes Gewebe der Prostata schichtweise abgetragen. Auftretende Blutungen werden elektrisch verödet (Kauterisierung). Das physikalische Prinzip entspricht dem der elektrischen Hochfrequenz-Chirurgie. Während dieser Operation wird dauerhaft eine Spülflüssigkeit über das Resektoskop eingebracht. Diese Flüssigkeit dient zum einen der Blasenfüllung und somit der Übersicht bei der OP, zum anderen der Ausschwemmung von abgetragenem Gewebe und Blut. Am Ende der Operation wird das abgetragene Gewebe ausgespült und nach ausreichender Blutstillung ein Spülkatheter eingelegt.

Vorteile:
kurze OP-Dauer (meist nur wenige Minuten)
minimal-invasiv
relativ kurze Katheterliegedauer
kurzer stationärer Aufenthalt
große Erfahrung in unserer Klinik

Nachteil:
Möglichkeit des sogenannten Einschwemm-Syndroms (Spülflüssigkeit führt zu Verschiebungen im Wasser-Salz-Haushalt des Körpers, dies ist in der Regel nur für die Dauer von wenigen Stunden bis einige Tage postoperativ von Belang)
Etwas höhere Rate an Nachblutungen als bei offener OP-Methode (sogenannte „Adenomektomie“, siehe auch Link hierzu)

OP-Frequenz in unserer Klinik:
180 – 250 Eingriffe pro Jahr

Adrenalektomie (Nebennieren-Entfernung)

Goldstandard für die Behandlung eines Nebennierentumors ist die chirurgische Entfernung (Bestrahlung oder Chemotherapie haben keine Aussicht auf Heilung). Die meisten Nebennierentumoren sind gutartig, können aber dem Körper durch ihre Hormonaktivität schwere Schäden zufügen.

Zugang:

Der Patient wird in der Regel auf der Seite oder aber in seltenen Fällen auf dem Rücken liegend gelagert. In Seitenlage wird das Bauchfell nicht eröffnet. Die Schnittgröße kann meist auf weniger als 10 cm beschränkt bleiben. Die Rückenlage ermöglicht die frühe Kontrolle der Nebennierengefäße vor allem bei sehr großen Tumoren. Dies erfordert jedoch einen relativ großen Schnitt.

Beschneidung („Zirkumzision“)

Definition:
Die Beschneidung ist die teilweise oder vollständige Entfernung der männlichen Vorhaut und stellt den weltweit am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriff dar.

OP-Technik:
Es erfolgt in Rückenlage eine örtliche Betäubung, bei Kindern eine Vollnarkose. Die Vorhaut wird rundum eingeschnitten. Danach wird die Haut komplett unter sorgfältiger Blutstillung abgetragen und die Wundränder werden mit selbstauflösendem Material miteinander vernäht. Der Eingriff dauert zirka 15 - 25 Minuten. Die Wunde heilt in der Regel innerhalb von zwei Wochen ab. Nach dieser Zeit lösen sich die Fäden selbständig auf. Zur Vermeidung von Infektionen sollten mindestens zweimal täglich Penisbäder durchgeführt werden. Es sollte für den Zeitraum von acht Wochen nach dem Eingriff auf den Geschlechtsverkehr verzichtet werden.

Brachytherapie beim Prostatakarzinom

In Zusammenarbeit mit der Praxis für Strahlentherapie am Klinikum Mittelbaden Baden-Baden Balg ist auch die sogenannte Brachytherapie (innere Bestrahlung durch radioaktive Implantate = „Seeds“) möglich. Die Auswahlkriterien sind allerdings sehr umschrieben, so dass das Verfahren nur selten zur Anwendung kommt. Außerdem ist die aktuelle Studienlage nicht eindeutig und die Qualität der Tumorkontrolle umstritten.

Auswahlkriterien:
Lokal begrenztes Prostatakarzinom mit niedrigem oder mittlerem Risiko, meist wird ein PSA unter 10 ng/ml und eine Gleason-Summe unter 7 gefordert (Nag u.a., 1999). Die Lebenserwartung sollte nicht über 15 Jahre liegen, die Therapie ist bei jungen Patienten zu unsicher.

Gegenanzeigen der Brachytherapie beim Prostatakarzinom:
Prostatavolumen über 60 ml, Hochrisiko-Prostatakarzinom, bereits vorbestehende Beschwerden beim Wasserlassen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Ein Resektionstrichter nach Abhobelung der Prostata („TUR Prostata“) erschwert die Implantation der Seeds und ist eine relative Kontraindikation.

Entfernung der Harnblase (Radikale Zystektomie) beim Harnblasenkarzinom

Die radikale Zystektomie mit folgender Harnableitung stellt beim Mann die Entfernung der Harnblase mitsamt der Prostata und den anhängenden Samenblasen dar. Bei der Frau gehört hierzu ebenfalls die Entfernung der Harnblase mit Gebärmutter (Uterus), Eierstöcken (Ovarien) und ggf. einem Teil der Scheide (Vagina). Zu einer radikalen Zystektomie gehört ebenfalls die regionale Entfernung von Lymphknoten.
Die radikale Zystektomie wird bei Vorliegen eines Tumors durchgeführt, der nicht mehr durch Abhobelung („TUR Blase“) geheilt werden kann. Eine einfache Zystektomie (keine Lymphknoten-Entfernung, keine Entfernung der Nachbarorgane) kann auch bei Patienten mit Schrumpfblase nach Bestrahlung etc. durchgeführt werden. Der Eingriff erfordert in der Regel eine geplante intensivmedizinische Überwachung. Es muss mit einem Krankenhausaufenthalt von ca. 2 bis 4 Wochen gerechnet werden.

Formen der Harnableitung nach radikaler Zystektomie:
Von anatomischer Seite werden derzeit im wesentlichen zwei unterschiedliche Formen zur Harnableitung nach radikaler Zystektomie verwendet:

die abdominelle Harnableitung (über die Bauchwand): Hierzu gehören die Harnleiter-Haut-Fistel oder aber die Einpflanzung der Harnleiter in ein zwischengeschaltetes Darmstück, das dann in Hautniveau endet („Stoma“).
die Harnableitung über die Harnröhre: Hierbei wird ein Harnreservoir aus Darmanteilen geformt (sogenannte „Neoblase“) und an die Harnröhre angeschlossen, um eine kontinente Harnableitung zu ermöglichen. Äußerlich ist kein Unterschied zum natürlichen Zustand des Urinspeicherns und Wasserlassens zu erkennen.

OP-Frequenz in unserer Klinik:
10 – 20 pro Jahr

Entfernung von Nierentumoren

(Tumornephrektomie, Nierentumorentfernung mit Organerhaltung, Entfernung mittels Bauchspiegelung „Laparoskopie“)

Goldstandard für die Behandlung des Nierentumors ist die chirurgische Entfernung (Bestrahlung oder Chemotherapie haben keine Aussicht auf Heilung). In unserer Klinik werden mehr als 75% aller Nierentumoren organerhaltend operiert, das heißt, dass wir auch größere Befunde oder Tumoren, die an mehreren Stellen wachsen, unter Erhaltung des gesunden Nierengewebes entfernen. In der Regel müssen wir aufgrund unserer umfangreichen Erfahrung die Blutzufuhr zur Niere nicht (auch nicht für wenige Minuten) unterbrechen. Dadurch wird das Risiko minimiert, einen Verlust der Nierenfunktion mit drohender Dialyse zu erleiden. Die Heilungschancen sind identisch gut wie bei der Entfernung der ganzen Niere. Deshalb wird in unserer Klinik nur bei Befall des gesamten Organes oder bereits bestehenden Tochtergeschwulsten („Metastasen“) die tumortragende Niere komplett samt Fettkapsel und regionären Lymphknoten entfernt wird.

Zugang:
Der Patient wird auf dem Rücken oder aber auf der Seite liegend gelagert. Die Rückenlage ermöglicht die frühe Kontrolle der Nierengefäße vor allem bei sehr großen Tumoren. Dies erfordert jedoch einen relativ großen Schnitt.

In Seitenlage wird das Bauchfell nicht eröffnet. Die Schnittgröße kann meist auf weniger als 10 cm beschränkt bleiben. Die Organerhaltung ist in der Regel problemlos zu bewerkstelligen.

OP-Frequenz in unserer Klinik:
50 – 70 pro Jahr

Harnleiter-Neueinpflanzung („Reimplantation“)

bei Rückfluss-Erkrankung („Vesiko-renaler Reflux“)

Eine bewährte Methode insbesondere bei ausgeprägter Reflux-Erkrankung, einer Erkrankung bei der der Harn atypischer Weise aufgrund eines defekten Ventilmechanismuses der Harnleitermündung während des Wasserlassens in Richtung der Niere zurückfließt. In diesen Fällen sind die Nieren besonders bei Kindern infektionsgefährdet, wobei es zu irreparablen Schäden kommen kann. Hinweise auf einen Reflux sind wiederholte Harnwegsinfekte (Blasen- u. Nierenentzündungen).

OP-Technik:
Bei der OP wird in Rückenlage ein kleiner Bauchschnitt durchgeführt und die Harnblase außerhalb des Bauchfelles eröffnet. Sodann wird die Harnleitermündung neu in die Harnblase eingenäht, und zwar unter Schaffung eines Ventilmechanismus. Die OP-Dauer beträgt 1 bis 2 Stunden. Es ist die Harnableitung über mehrere Katheter für ca. 10 Tage erforderlich.

Vorteil:
nur sehr selten Wiederkehr des Befundes

Nachteile:
relativ lange Katheterbehandlung erforderlich
relativ langer stationärer Aufenthalt

Harnleiterschienung

Definition:
Bei der Vorbereitung von Nierenspiegelungen (z.B. wegen Steinen, Harnleiterengen u.a.) wird die Einlage eines Harnleiter-Katheters (auch Doppel-J-Katheter, Stent oder Harnleiterschiene genannt) zum Erweitern und Offenhalten des Harnleiters erforderlich. Der Katheter wird am oberen Ende im Nierenbecken und am unteren Ende in der Harnblase für wenige Zentimeter aufgerollt. Der so gebildete doppelte „Ringelschwanz“ (pigtail, Doppel-J) verhindert ein Verrutschen des Katheters im Harnleiter. Der Harnleiter wird dadurch ebenfalls geschützt, da zum Beispiel abgehende Steinfragmente teilweise scharfkantig sind und die Wände des Harnleiters verletzt werden könnten.

OP-Technik:
Der Eingriff erfolgt in Rückenlage mit hochgelagerten Beinen in der Regel in Vollnarkose, in seltenen Fällen auch in örtlicher Betäubung. Per Blasenspiegelung wird der Katheter eingelegt, der Eingriff dauert in der Regel lediglich 5 – 10 Minuten.

Harnleiterunterspritzung bei Rückfluss-Erkrankung („Vesiko-renaler Reflux“)

Eine relativ neue und schonende Methode ist die minimal invasive Behandlung der Reflux-Erkrankung, einer Erkrankung, bei der der Harn atypischer Weise aufgrund eines defekten Ventilmechanismuses der Harnleitermündung während des Wasserlassens in Richtung der Niere zurückfließt. In diesen Fällen sind die Nieren besonders bei Kindern infektionsgefährdet wobei es zu irreparablen Schäden kommen kann. Hinweise auf einen Reflux sind wiederholte Harnwegsinfekte (Blasen- u. Nierenentzündungen).

Zur Herstellung des Ventilmechanismus´ wird in bestimmten Fällen die minimal invasive Harnleiterunterspritzung als Alternative zur Langzeit-Antibiotika-Einnahme bzw. zur aufwändigeren, offen-operativen Korrektur eingesetzt. Dabei wird die Harnleitermündung mit einem speziellen Medikament im Rahmen einer Spiegelung unterspritzt, und somit der Ventilmechanismus wieder hergestellt. Das Medikament wird vom Körper innerhalb von einigen Monaten bis Jahren wieder abgebaut, Nebenwirkungen oder Ablagerungen in anderen Organen werden nicht beobachtet. Speziell gering- bis mittelgradige Reflux-Erkrankungen sind mit einer Erfolgsrate um 80% ausgezeichnet behandelbar. Der höchste Refluxgrad (Grad V) ist nicht für eine Injektionsbehandlung geeignet. Damit stellt diese Behandlung eine ausgezeichnete Alternative zur Langzeit-Antibiotika-Einnahme dar, insbesondere bei Patienten mit schlechter Kooperation (Kind will beispielsweise das Antibiotikum nicht einnehmen).

Vorteile:
kurze OP-Dauer (wenige Minuten)
minimal-invasiv
Möglichkeit der offenen OP bleibt unbeeinträchtigt
keine Katheterbehandlung erforderlich
sehr kurzer stationärer Aufenthalt

Nachteil:
Wiederkehr des Befundes möglich und somit eventuell Wiederholungsbehandlung oder letztlich doch offene OP erforderlich

Harnröhrenplastik

(offene OP-Methode mit Verwendung eines Mundschleimhaut-Transplantats)

OP-Technik:
Nach mehrmaligem Schlitzen und Wiederauftreten einer Harnröhrenstriktur (Harnröhren-Enge) oder bei sehr langstreckigen Strikturen wird eine Erweiterung der Harnröhre durch Einnähen eines Stückes Mundschleimhaut vorgenommen. Dazu wird die Harnröhre von außen dargestellt und über der Engstelle längs eröffnet. Jetzt wird ein Stück Mundschleimhaut von entsprechender Größe entweder aus der Unterlippe oder von der Wange entnommen und eingenäht. Anschließend wird ein Blasenkatheter gelegt. Zusätzlich wird ein Bauchdeckenkatheter in die Blase eingebracht. Der Blasenkatheter dient der Schienung und dem Offenhalten der Harnröhre. Der Bauchdeckenkatheter dient der Blasenentleerung. Der Blasenkatheter wird nach 1 Woche Tagen entfernt. Der Bauchdeckenkatheter verbleibt für ca. 4 - 6 Wochen. Nach dieser Zeit wird eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel durchgeführt. Hierbei wird die Blase gefüllt und der Patient anschließend zum Wasserlassen aufgefordert. Ist dieses problemlos möglich und liegt eine vollständige Blasenentleerung vor, wird der Bauchdeckenkatheter entfernt.

Vorteile:
geringe Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens der Harnröhren-Enge große Erfahrung in unserer Klinik, da die
OP-Methode seit ihrer internationalen Erstbeschreibung durch die Operateure durchgeführt und im Rahmen eigener Studien und wissenschaftlicher Veröffentlichungen weiter entwickelt wurde

Nachteile:
lange OP-Dauer (2-4 Stunden)
lange Katheterliegezeit
längerer stationärer Aufenthalt sowie strenge Bettruhe

Harnröhrenschlitzung mittels Spiegelung ("Urethrotomie")

OP-Technik:
Mit Hilfe eines Geräts zur Blasenspiegelung, welches über eine Lichtquelle, einen Kanal für die Sicht des Operateurs, eine Flüssigkeitszufuhr und einen Arbeitskanal verfügt, wird die Harnröhre in Narkose gespiegelt und die Engstellung vorsichtig eingeschnitten. Dadurch vergößert sich das Lumen und der Urin kann besser abfließen.

Vorteile:
kurze OP-Dauer (meist nur wenige Minuten)
minimal-invasiv
kurze Katheterliegedauer
kurzer stationärer Aufenthalt
große Erfahrung in unserer Klinik

Nachteil:
hohe Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens der Harnröhren-Enge

OP-Frequenz in unserer Klinik:
ca. 100 eigenständige Eingriffe pro Jahr (zusätzlich häufig auch im Rahmen einer Abhobelung (TUR) der Blase oder der Prostata erforderlich)

Hodenhochstand-Korrektur („Kryptorchismus“)

Definition:
Als Hodenhochstand („Kryptorchismus“) bezeichnet man die Fehllage des Hodens, wenn dieser vorübergehend oder dauerhaft außerhalb des Hodensacks (im Leistenkanal oder im Bauchraum) liegt. Die Ursache ist ein gestörter Hodenabstieg im Rahmen der Kindsentwicklung im Mutterleib.
Die Bedeutung einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung folgt aus der Tatsache, dass der Hodenhochstand eine häufige Ursache für spätere Fertilitätsstörungen des Mannes ist, sowie das Risiko für das Auftreten von bösartigen Hodentumoren bei Patienten mit Hodenhochstand um ein Vielfaches (bis zu 32-fach !) erhöht ist. Die operative Therapie sollte deshalb vor Vollendung des zweiten Lebensjahres durchgeführt werden.

OP-Technik:
Der operative Zugang erfolgt in der Regel in Rückenlage von einem Leistenschnitt aus. Der Hoden wird dargestellt. Sodann werden die Blutgefäße und der Samenleiter schonend vom umgebenden Gewebe gelöst und der Hoden wird im Hodensack mittels Naht befestigt. Der Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel nur einen Tag.

Hydrozele („Wasserbruch“)

Definition:
Als Hydrozele testis oder Wasserbruch wird die Ansammlung von blutfreier Körperflüssigkeit in den Hodenhüllen bezeichnet. Eine Hydrozele kann angeboren oder erworben sein. Unbehandelt kann sie über Jahre auf mehrere Zentimeter Durchmesser anwachsen.

OP-Technik:
Der operative Zugang erfolgt in der Regel in Rückenlage über einen Schnitt am Hodensack, bei Kindern von einem Leistenschnitt aus. Der Wasserbruch wird dargestellt, eröffnet und die Flüssigkeit-absondernde Gewebsschicht abgetragen. Je nach Größe muss eventuell eine Wunddrainage eingelegt werden. Der Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel nur einen bis wenige Tage.

Invasive Therapie von Harnsteinen

Unsere Klinik besitzt eine sehr große Erfahrung in der Therapie von Harnsteinen, sämtliche modernen Behandlungsmethoden werden angeboten; dies sind die Harnleiter- und Nierenspiegelung („Uretero-Reno-Skopie“ = URS), Entfernung von Steinen mit mehreren Zentimetern Durchmesser mittels Spiegelung des hinteren Bauchraumes („perkutane Nephrolitholapxie“), in seltenen Fällen mittels offener OP durch einen kleinen Flankenschnitt und natürlich die Zertrümmerung von außen („Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie“, kurz „ESWL“ genannt). Wir erreichen eine hohe Rate an dauerhaft steinfreien Patienten.

OP-Frequenz in unserer Klinik:
400 – 500 Eingriffe pro Jahr bei Patienten mit Harnsteinen

Korrektur des Blasen- und/oder Darmvorfalls in die Scheide

„Sakrokolpopexie“
vordere oder hintere Scheidenplastik mit Netzimplantaten

OP-Methodik:
Die operative Therapie des Scheidenvorfalls ("genitaler Deszensus") richtet sich praktisch immer nach den Beschwerden der Patientin, diese können von Patientin zu Patientin sehr unterschiedlich sein. Ein genaues Verständnis der Anatomie und möglicher Mechanismen, die zur Erkrankung führen, ist Voraussetzung für die erfolgreiche operative Korrektur des genitalen Deszensus. Die Durchführung der einzelnen OP-Verfahren wird individuell auf das vorliegende Krankheitsbild abgestimmt, so dass eine allgemeingültige Darstellung des OP-Vorganges hier nicht erfolgen kann.

Vorteile:
Die anhaltende Wirksamkeit der Methoden ist gut dokumentiert. Große OP-Erfahrung in unserer Klinik.

Nachteile:
Bei Sakrokolpopexie längerer stationärer Aufenthalt sowie strenge Bettruhe. Wiederkehr des Befundes aufgrund weiterer Veränderungen im Rahmen des Alterungsprozesses nie auszuschließen

Korrektur der fehlerhaften Harnröhren-Mündung („Hypospadie“)

Die fehlerhafte Mündung der Harnröhre – nicht an der Spitze der Eichel, sondern im Verlauf des Penisschaftes – ist eine Erkrankung, die relativ selten vorkommt und auch aus psychologischen Gründen spätestens im Kindergartenalter operiert werden sollte. Die Notwendigkeit zur Operation ergibt sich aus kosmetischen Gründen oder bei abnormem Harnstrahl bzw. drohender späterer Zeugungsunfähigkeit.

Das Vorgehen bei der OP ergibt sich aus den individuellen Gegebenheiten, muss im Einzelnen mit den Betroffenen/Eltern abgestimmt werden und kann deshalb hier im Detail nicht erörtert werden. Je nach Ausprägung des Befundes sind die Operationen gelegentlich relativ einfach durchzuführen, so dass die OP-Dauer 30-45 Minuten nicht übersteigt. Bei schwereren Formen können jedoch auch umfangreiche Eingriffe erforderlich werden, mit entsprechend langer OP-Dauer bis zu mehreren Stunden.

„Künstlicher Harnblasenschließmuskel“ (Implantation eines artifiziellen Sphinkters)

Die Implantation einer künstlichen Harnblasenschließmuskel-Prothese ist der Goldstandard bei der Therapie der männlichen Harninkontinenz, die nach Operationen im Beckenbereich auftritt und auf eine Schwäche des natürlichen Schließmuskelapparates zurückzuführen ist.

Wirkprinzip des künstlichen Harnblasenschließmuskels:
Der künstliche Schließmuskel ist ein hydraulisches System, welches aus 3 Komponenten besteht, die untereinander mit Schläuchen verbunden sind. Das flüssigkeitsgefüllte System wird im Rahmen einer Operation eingesetzt, alle Teile liegen unter der Haut und sind von außen nicht sichtbar. Am Hodensack ist die dort eingelegte Pumpe tastbar. Die Funktionsweise ist folgende:
Die unter Druck stehende Flüssigkeit wird aus dem druckregulierenden Ballon über den Schlauch und die Pumpe in die um die Harnröhre gelegte Manschette fortgeleitet, die im gefüllten Zustand die Harnröhre zusammendrückt und dadurch den unwilkürlichen Urinverlust verhindert. Dadurch kann sich die Blase wie gewohnt wieder füllen, vor dem Wasserlassen wird durch Betätigung der im Hodensack gelegenen Pumpe die Flüssigkeit aus der Harnröhrenmanschette zurück in den druckregulierenden Ballon gepumpt. Bei nun entleerter Manschette kann ungehindert Wasser gelassen werden. Bereits kurze Zeit nach der letzten Pumpenbetätigung beginnt sich automatisch die Manschette langsam wieder zu füllen, um die Harnröhre bis zum nächsten Wasserlassen zu verschließen.

Operationsvorgang:
Die Einpflanzung erfolgt in der Regel in Allgemeinnarkose. Der Eingriff selbst dauert im Durchschnitt ca. 60 Minuten. An welcher Stelle die Manschette um die Harnröhre gelegt wird und somit welcher operative Zugang bzw. welche Hautschnittführung bei Ihnen am sinnvollsten ist, wird Ihr Operateur mit Ihnen im persönlichen Gespräch festlegen (Abbildung 1). Gelegentlich kann es notwendig sein, zwei Harnröhrenmanschetten nebeneinander einzupflanzen (Abbildung 2). Während der Operation wird in der Regel ein Katheter in die Harnblase eingelegt, dieser wird nach wenigen Tagen entfernt.
Nach Abschluss der Wundheilung bleibt das System in der Regel für mehrere Wochen deaktiviert, um auch die innere Wundheilung zu sichern. Erst dann wird es vom Arzt aktiviert und Sie erhalten eine (nochmalige) Unterweisung in die Bedienung des Systems. Die Lebensdauer des Systems wird mit durchschnittlich 10 Jahren angegeben, dann müssen eventuell eine oder mehrere der mechanischen Komponenten getauscht werden. Meist ergibt sich die Notwendigkeit eines erneuten Eingriffes wegen einer wieder auftretenden Inkontinenz. Sodann muss ggf. die Entscheidung bezüglich einer zweiten Manschette oder eines Ballons mit höherem Druck gefällt werden.

Vorteile:
Hohe operative Kompetenz und Erfahrung in unserer Klinik, Dr. F. Neugart ist u.a. Autor und Herausgeber des Standardwerkes zur Implantationstechnik des artifiziellen Sphinkters „Wege aus der Inkontinenz“ sowie Redaktionsmitglied des Konsensusprozesses „Artifizieller Sphinkter“ und Operateurs-Trainer für diese OP-Methode.

Höchste Kontinenzrate im Vergleich mit allen anderen OP-Methoden

Nachteile:
Trotz größter Sorgfalt können Infektionen auftreten, die antibiotisch behandelt werden müssen. Wird im Rahmen einer Infektion das Implantat-Material mit Keimen besiedelt, kann dies dazu zwingen, den künstlichen Schließmuskel wieder zu entfernen. Wie jedes vom Menschen erdachte Gerät mit beweglichen Teilen unterliegt auch der künstliche Schließmuskel einem Materialverschleiß. Dieser Verschleiß erfordert in der Regel auch bei optimalem Verlauf ohne sonstige Komplikationen im Durchschnitt nach 10 Jahren „Wartungsoperationen“, bei denen dann defekte Komponenten ausgetauscht werden müssen.

In Einzelfällen kann die Manschette in die Harnröhre einwachsen bzw. diese durchdringen, so dass Teile der Manschette mit Urin in Kontakt geraten.

Laser-OP der Prostata („Greenlight-Laser-Vaporisation“)

Die Laservaporisation (Verdampfung von Prostata-Gewebe mittels Laser) ist ein relativ neues Verfahren. Langzeitdaten (> 5-10 Jahre) dazu fehlen bislang. Ihre Ergebnisse sind vom Operateur abhängig, Dr. F. Neugart ist Trainer für Operateure.
Die Lichtpulse des Lasers sind in der Lage, Prostatagewebe annähernd blutungsfrei zu entfernen. Der Einsatz ist daher vor allem bei Hochrisikopatienten sinnvoll, die beispielsweise Gerinnungsstörungen haben oder gerinnungshemmende Medikamente wie ASS oder Marcumar® einnehmen müssen.

Vorteile:
Minimal-invasives OP-Verfahren
Nur sehr selten sind Blutungen zu erwarten.

Nachteile:
Statistisch gesehen ist eine etwas höhere Rate einer dauerhaften Inkontinenz und/oder Impotenz zu erwarten.
Die Drangsymptomatik nach der OP hält häufig bis zu 3 Monaten an, das ist deutlich länger als bei der Abhobelung (TUR) der Prostata.

OP-Frequenz in unserer Klinik:
10 – 20 Eingriffe pro Jahr (Die Indikation zur OP wird in unserer Klinik wegen der oben genannten Nachteile sehr streng gestellt.)

Minimal-invasive Drang-Inkontinenztherapie (Botox®)

OP-Technik:
Botulinumtoxin ist ein natürlich vorkommendes, von Bakterien produziertes Eiweiß, welches an der Injektionsstelle eine vorübergehende Blockade bestimmter Nervenimpulse bewirkt. Dadurch werden sowohl das Dranggefühl wie auch die unkontrollierten Blasenmuskelkontraktionen gehemmt oder zumindest abgeschwächt. Es kommt zu einer teilweisen Lähmung des Blasenhohlmuskels für durchschnittlich 12 Monate. In dieser Zeit kann die Blase besser Urin speichern, in vielen Fällen kann auch ein ungewollter Urinverlust unterbunden werden.
Wir injizieren nur eine geringe Menge Botulinumtoxin, so dass die Restkraft des Muskels in aller Regel ausreicht, um die Blase zufriedenstellend zu entleeren (oder bei gelähmten Patienten die kontinente Blase durch Eigenkatheterismus zu entleeren).
In seltenen Fällen kann es zu einem vorübergehenden Harnverhalt kommen, was die Einlage eines Blasenkatheters für einige Zeit erfordern kann. Meist dauert dies nur wenige Tage an und ist deutlich kürzer als die positive Wirkung. Extrem selten (in weniger als 1% der Fälle) ist die Kathetereinlage für mehrere Monate erforderlich. Vom Injektionsort entfernte systemische Nebenwirkungen sind aufgrund der geringen verwendeten Dosis sehr unwahrscheinlich; allerdings können theoretisch generalisierte Nervenlähmungen Nebenwirkungen an inneren Organen (z.B. zeitweise Reduktion von Drüsenfunktionen) vorkommen, wurden bisher jedoch noch nie beobachtet. Gelegentlich kann es durch die ca. 20 Einspritzungen zu einer Blutung aus der Blasenwand mit entsprechend blutigem Urin kommen, so in Einzelfällen eine Blasenspülung nötig werden kann.

Wirkung:
Erste Effekte der Therapie können üblicherweise innerhalb weniger Tage beobachtet werden, der volle Wirkeffekt setzt in der Regel nach maximal 2 bis 4 Wochen ein. Die Wirkdauer kann individuell unterschiedlich sein, beträgt aber meist 6 - 18 Monate. Danach werden wiederholte Injektionen erforderlich sein, ggf. muss die injizierte Dosis in Abhängigkeit vom vorangehenden Wirkeffekt angepasst werden. Die Therapie ist symptomatisch, d.h. die Injektion lindert lediglich die Symptome Ihrer Erkrankung und ist aufgrund der begrenzten Wirkdauer langfristig notwendig. Botulinumtoxin hat bisher keine offizielle Zulassung für die Behandlung der Dranginkontinenz, diese ist jedoch spätestens in 2012 zu erwarten.

Vorteile:
kurze OP-Dauer (meist nur wenige Minuten)
minimal-invasiv
kurze Katheterliegedauer
kurzer stationärer Aufenthalt
sehr große Erfahrung in unserer Klinik (Dr. F. Neugart ist u.a. Autor mehrerer wissenschaftlicher Veröffentlichungen für diese OP-Methode und Operateurs-Trainer für diesen Eingriff)

Nachteil:
sehr selten Harnverhaltung

OP-Frequenz in unserer Klinik:
> 60 Eingriffe pro Jahr

Nierenbeckenabgangsplastik

Die Notwendigkeit zur Nierenbeckenabgangsplastik ist gegeben bei einer Engstellung des Harnleiter unmittelbar unterhalb des Nierenbeckens zum Beispiel bei einer Narbenbildung oder durch eine Schlagadergefäß. Voraussetzung ist eine noch ausreichende Teilfunktion der betroffenen Niere. Falls die Niere (nahezu) funktionslos ist (weniger als 20% Anteil an der Gesamtleistung) muss die Nierenentfernung diskutiert werden.

OP-Technik der Nierenbeckenplastik:
Der Zugang erfolgt in Seitenlagerung, das Bauchfell wird nicht eröffnet. Die Schnittgröße kann meist auf weniger als 10 cm beschränkt bleiben. Es ist auch die laparoskopische Technik („Schlüsselloch-Chirurgie“) möglich. Die Engstelle des Harnleiters wird schräg abgesetzt, danach wird der Harnleiter mittels Erweiterungsplastik wieder mit dem Nierenbecken per Naht verbunden.

Nierenfistelanlage

Definition:
Nierenfistel (auch: „Nephrostoma“) bezeichnet eine künstlich angelegte Hautfistel durch das Nierengewebe zur Harnableitung aus dem Nierenbecken mittels eines Katheters. Die entsprechende Operation heißt „Nephrostomie“.
Eine Nierenfistel wird erforderlich, wenn der Harnabfluss aus der Niere dauerhaft behindert ist, in der Regel bei bösartigen Erkrankungen. Man unterscheidet die offen chirurgisch und die minimal-invasiv angelegte Fistel. Letzteres Verfahren wird am häufigsten angewendet.

OP-Technik (minimal invasiv):
Hierbei wird in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose mittels Ultraschall- und Röntgenkontrolle das Nierenbecken mit einer Nadel punktiert und anschließend über einen Führungsdraht ein Katheter zur Harnableitung eingebracht. Die Katheterspitze wird dann in das Nierenbecken gelegt und mit einem flüssigkeitsgefüllten Ballon bzw. mittels Hautnaht gegen Verrutschen gesichert. Der Katheter muss im Regelfall alle vier bis sechs Wochen gewechselt werden. Wenn der Katheter verrutscht, muss er in der Regel unmittelbar neu angelegt werden, um den vorhandenen Kanal nutzen zu können. Je nach Allgemeinzustand des Patienten kann der Eingriff ambulant oder stationär durchgeführt werden.

Offene OP („Adenomektomie“) bei sehr ausgeprägter Prostatavergrößerung

OP-Technik:
Die offene Prostataoperation wird auch als Prostataenukleation oder Adenomektomie bezeichnet. Sie ist die älteste Methode zur operativen Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Dabei wird über einen kleinen Schnitt im Unterbauch die Prostata nach Eröffnung der Blase mit dem Finger vom umgebenden Gewebe gelöst und entfernt. Das Bauchfell wird nicht eröffnet. Diese Methode ist auch in Zeiten der Schlüsselloch-Chirurgie oder „Abhobelung“ (TUR-Prostata) beispielsweise bei sehr großen Vorsteherdrüsen (>80 cm3) oder Begleitveränderungen wie Leistenbrüchen, Blasensteinen oder –divertikeln (Ausstülpungen der Blase) angezeigt und zeitgemäß.

Vorteile:
Die anhaltende Wirksamkeit der Methode ist gut dokumentiert.
Große OP-Erfahrung in unserer Klinik.

Nachteil:
Aufenthaltsdauer bedingt durch Schnitt-OP länger als bei der „Abhobelung“ (TUR-P)

OP-Frequenz in unserer Klinik:
ca. 30 Eingriffe pro Jahr

Radikale perineale Prostatektomie (Prostataentfernung bei Krebs)

Definition:
Die radikale perineale Prostatektomie, kurz RPP ist eine Variante der Prostatektomie, die Entfernung der Prostata erfolgt hierbei von einem Dammschnitt aus.

Zugang:
Bei der RPP wird die Prostata über einen Schnitt zwischen Hodensack und After im Bereich des Dammes (= Perineum) aufgesucht.
Der Patient wird bei einer RPP in sogenannter Steinschnittlage operiert. Dabei liegt der Patient auf dem Rücken, die Beine im Hüftgelenk um 90 Grad gebeugt. Die Knie sind angewinkelt und die Unterschenkel werden auf Stützen gelagert, so dass die Beine etwa 50 bis 60 Grad voneinander abgespreizt sind. Bei Problemen des Bewegungsapparates (z.B. Hüftgelenksarthrose, Schenkelhalsfraktur) ist dies gelegentlich nicht ohne weiteres möglich. Bei einer sehr stark vergrößerten Prostata
(Gewicht > 100 g) kann die OP erschwert sein.

Vorteile:
geringerer Blutverlust
schnellere Rekonvaleszenz
schnelleres Wiedererlangen der Kontinenz für Urin
geringere Rate an positiven Schnitträndern
gute Darstellung und Erhaltung der für die Potenz wichtigen Nerven-Gefäß-Bündel

Nachteil:
keine bzw. sehr eingeschränkte Möglichkeit zur Entfernung der Lymphknoten im Beckenbereich über den gleichen
Zugangsweg (ggf. zusätzliche Bauchspiegelung erforderlich)

OP-Frequenz in unserer Klinik:
80 – 100 radikale Prostataentfernungen pro Jahr

Radikale retropubische Prostatektomie (Prostataentfernung bei Krebs)

Definition:
Die radikale retropubische Prostatektomie, kurz RRP ist eine Variante der Prostatektomie, die Entfernung der Prostata erfolgt hierbei von einem Bauchschnitt aus.

Zugang:
Der Patient wird auf dem Rücken liegend mit gespreizten Beinen gelagert. Die Prostata wird über einen Mittelschnitt unterhalb des Bauchnabels bis oberhalb des Schambeines aufgesucht. Dabei wird das Bauchfell nicht eröffnet. Der Zugang ist sehr gut zur RRP mit gleichzeitiger Entfernung der iliakalen Lymphknoten geeignet.

Vorteile:
gleichzeitige Entfernung der Becken-Lymphknoten möglich
geringe Rate an positiven Schnitträndern
OP auch lokal fortgeschrittener Stadien möglich
Darstellung und Erhaltung der für die Potenz wichtigen Nerven-Gefäß-Bündel möglich

Nachteile:

Blutverlust gegenüber anderen Vorgehensweisen etwas größer
Lymph-Ansammlungen durch Lymphknotenentfernung
narbige Enge an der Nahtstelle zwischen Harnblase und Harnröhre etwas häufiger als beim Dammschnitt

OP-Frequenz in unserer Klinik:
80 – 100 radikale Prostataentfernungen pro Jahr

Transurethrale Resektion („Abhobelung“) von Blasentumoren (TUR-B)

OP-Technik:
Einführung des Resektoskops (Gerät zur Blasenspiegelung) in die Harnblase. Ein Resektoskop verfügt über eine Lichtquelle, einen Kanal für die Sicht des Operateurs, eine Flüssigkeitszufuhr und einen Arbeitskanal.
Der Harnblasentumor wird mit einer elektrischen Schlinge an der Basis abgetrennt. Danach wird die Harnblase ausgespült und das abgehobelte Material zur feingeweblichen Untersuchung aufgefangen. Nach Ausspülung der Harnblase werden vom Tumorgrund und Tumorrand Proben entnommen und als getrennte zweite Probe zur feingeweblichen Untersuchung gegeben. Am Schluss erfolgt die sorgfältige Blutstillung durch Verschorfung mit elektrischem Strom, sodann Einlage eines Spülkatheters in die Harnblase.

OP-Frequenz in unserer Klinik:
Ca. 300 pro Jahr

Spannungsfreie Bänder (z.B. TVT®, TOT bei der Frau)

OP-Technik:
Bei dieser Technik wird bei der Patientin ein Kunststoffband spannungsfrei unter die Harnröhre gelegt und durch kleine Ausstiche oberhalb des Schambeinbereiches nach oben bzw. an der Inneseite der Oberschenkel geführt. Das Band wird dann gerade so weit angehoben, dass es unter Belastung nicht mehr zu Harnabgang kommt, da ein Absinken der Harnröhre (und damit eine Inkontinenz) unter Druck verhindert wird.
Die Wirkungsweise der TVT-Plastik besteht also in der spannungsfreien Stabilisierung der mittleren Harnröhre und indirekt des Blasenbodens. Auf diese Weise wird eine Rekonstruktion des identisch wirkenden Bindegewebs- und Bandapparates erreicht, wie er im gesunden Zustand angetroffen wird. Damit wird der Eingriff der aktuellen Expertenmeinung nach der multifaktoriellen Genese der Harninkontinenz gerecht.

Besonderheit:
Um eine Durchwanderung des Kunststoff-Bandes in benachbartes Gewebe (Harnröhre, Harnblase, Scheide) zu vermeiden, bieten wir in unserer Klinik eine abgewandelte Technik an, bei der körpereigenes Gewebe das Kunststoff-Implantat zumindest teilweise ersetzt.

Vorteile:
kurze OP-Dauer (meist nur wenige Minuten)
minimal-invasiv
kurze Katheterliegedauer
kurzer stationärer Aufenthalt
große Erfahrung in unserer Klinik

Nachteile:
durch den Fremdkörper-Reiz eventuell auftretende vermehrte Harndrangsymptomatik
Gelegentlich Beschwerden bei Geschlechtsverkehr
selten: Durchwanderung des Bandes in benachbartes Gewebe nach Jahren

OP-Frequenz in unserer Klinik:
40 – 50 Eingriffe pro Jahr

Spermatozele (Nebenhoden-/Samenstrangzyste)

Definition:
Als Spermatozele bezeichnet man eine vom Nebenhoden (seltener vom Samenstrang) ausgehende Zyste, das heißt eine durch eine Abflussbehinderung gebildete Aufweitung, die mit eiweißreicher und spermienhaltiger Flüssigkeit gefüllt ist. In der Regel ist die Spermatozele am oberen Hodenpol lokalisiert und kann zu Beginn von außen als stecknadelkopfgroßes Knötchen getastet werden. Unbehandelt kann sie über Jahre auf mehrere Zentimeter Durchmesser anwachsen.

OP-Technik:
Der operative Zugang erfolgt in der Regel in Rückenlage über einen Schnitt am Hodensack. Die Zyste wird dargestellt und abgetragen. Je nach Größe muss eventuell eine Wunddrainage eingelegt werden. Der Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel nur einen bis wenige Tage.

Sterilisation des Mannes („Vasoresektion“)

Definition:
Die Operation wird zur Empfängnisverhütung eingesetzt. Dabei werden die Samenleiter (Ductus deferentes) im Hodensack des Mannes durchtrennt.

OP-Technik:

Es erfolgt in Rückenlage eine örtliche Betäubung. Es werden mit ein oder zwei kleinen Schnitten am Hodensack die Samenleiter freigelegt, jeweils ein ca. 1 cm langes Stück des Samenleiters entfernt und die Schnittstellen verödet sowie vernäht. Der Eingriff dauert zirka 15 - 20 Minuten. Die Wunde heilt in der Regel innerhalb von zwei Wochen ab. Nach dieser Zeit lösen sich die Fäden selbstständig auf. Es sollte für den Zeitraum von einigen Tagen nach dem Eingriff auf körperliche Anstrengung verzichtet werden.

Verödung von Krampfaderbrüchen des Hodens („Varikozelen-OP“)

Definition:
Ein Krampfaderbruch („Varikozele“) wird verursacht durch das Venengeflecht im Verlauf des Samenstranges. In einem hohen Prozentsatz (>90 %) tritt die Erkrankung linksseitig auf.

OP-Technik:
Es erfolgt in Rückenlage eine örtliche Betäubung. Von einem kleinen Hautschnitt im Bereich des Hodensacks wird die Krampfader verödet. Durch Kontrastmittel und Röntgenkontrolle ist zuvor sichergestellt worden, dass das Blut anschließend in die korrekte Richtung strömt. Der Eingriff kann in der Regel ambulant durchgeführt werden. Im Falle der Wiederkehr des Befundes führen wir die Unterbindung der Krampfader mittels Bauchspiegelung („Laparoskopische Varikozelen-Ligatur“) durch. Hierfür ist ein kurzer stationärer Aufenthalt erforderlich.

Alle aufklappenAlle zuklappen