Akutkliniken in Rastatt und Baden-Baden bleiben mit eigener Notfallversorgung erhalten.
Der Aufsichtsrat des Klinikums Mittelbaden hat am 23. September ein umfassendes Konzept zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Klinikums beschlossen und die Geschäftsführung mit der Umsetzung beauftragt. Ziel ist es, das Klinikum wirtschaftlich deutlich zu stabilisieren und zugleich die medizinische Versorgung der Menschen in Mittelbaden dauerhaft zu sichern und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
Für die Umsetzung des beschlossenen Konzepts ist keine weitere Beschlussfassung durch den Landkreis Rastatt oder den Stadtkreis Baden-Baden erforderlich. Damit können die notwendigen Maßnahmen zeitnah innerhalb der bestehenden Beschlusslage umgesetzt werden.
Rastatt und Baden-Baden bleiben Akutkliniken
Die zentrale Botschaft für die beiden künftigen Klinikstandorte lautet: Sowohl Rastatt als auch Baden-Baden bleiben als Akutkliniken mit jeweils eigener Notfallversorgung erhalten.
Damit wird die stationäre und notfallmedizinische Versorgung in Mittelbaden dauerhaft auf zwei leistungsfähige Standorte konzentriert. Die medizinischen Angebote werden dabei stärker gebündelt und aufeinander abgestimmt.
Standort Bühl schließt zum Jahresende
Im Zuge der Neustrukturierung wird der Klinikstandort Bühl wie bereits 2025 vereinbart bis zum Jahresende 2026 geschlossen. Die bislang dort erbrachten Leistungen werden auf die Standorte Rastatt und Baden-Baden verteilt.
Im Einzelnen sind folgende Verlagerungen vorgesehen:
- Die Klinik für Altersmedizin wechselt von Bühl nach Baden-Baden.
- Die Schmerzmedizin wird nach Rastatt verlagert.
- Die Sportmedizin zieht ebenfalls nach Rastatt um.
- Das ambulante Operieren mit Schwerpunkt Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie Knieoperationen wird in Rastatt gebündelt.
- Das ambulante Operieren in den Bereichen Handchirurgie, HNO, Unfallchirurgie und Urologie wird nach Baden-Baden verlagert.
- Die Kardiologie und Angiologie wird am Standort Rastatt gebündelt.
- Die Orthopädie konzentriert die Knie- und Hüftendoprothetik im Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung in Rastatt.
- Die Traumatologie bleibt mit dem Regionalen Traumazentrum schwerpunktmäßig in Baden-Baden.
Ziel dieser Neuordnung ist es, Doppelstrukturen zu reduzieren, vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen und zugleich eine verlässliche medizinische Versorgung an beiden Akutstandorten sicherzustellen.
Anpassungen der Personalkapazitäten
Die wirtschaftliche Konsolidierung macht auch eine Anpassung der Personalkapazitäten erforderlich. Nach aktuellem Planungsstand betrifft dies eine Größenordnung von rund 200 Mitarbeitenden.
Ein wesentlicher Teil der notwendigen Anpassungen soll nach erster Einschätzung durch natürliche Fluktuation und weitere sozialverträgliche Instrumente aufgefangen werden. Ziel ist es, betriebsbedingte Kündigungen auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen.
Die konkrete Umsetzung soll eng und kontinuierlich mit dem Betriebsrat abgestimmt werden. Im Mittelpunkt stehen faire und tragfähige Rahmenbedingungen sowie eine transparente, respektvolle und sozialverträgliche Umsetzung.
Wirtschaftlicher Druck erfordert konsequente Konsolidierung
Das Klinikum Mittelbaden steht nicht zuletzt auch wegen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes wie viele andere Kliniken bundesweit vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Steigende Kosten, gesetzliche Vorgaben und veränderte Rahmenbedingungen der Krankenhausfinanzierung treffen auf die angespannte Haushaltslage der beiden kommunalen Gesellschafter, der Stadt Baden-Baden und des Landkreises Rastatt.
Vor diesem Hintergrund hat das Klinikum bereits vor den aktuell getroffenen Beschlüssen umfangreiche Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung eingeleitet. Dazu zählen:
- Die Etablierung einer Personalkommission,
- die Umsetzung eines nachhaltigen Erlösmanagements,
- die Fortführung eines effizienten Sachbedarfsmanagements,
- die kontinuierliche Umsetzung von Struktur- und Prozessverbesserung,
- eine weitere Erhöhung des Digitalisierungsgrades sowie
- die weitere Umsetzung der beschlossenen Immobilienstrategie durch den Verkauf von Immobilien zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation.
Darüber hinaus ist vorgesehen, Mittel aus dem Transformationsfonds zu beantragen, unter anderem für förderfähige Kosten im Zusammenhang mit Standortschließungen und dem Abbau von Doppelstrukturen.
Für das laufende Jahr wird mit einem erheblichen Defizit gerechnet. Auch für die kommenden Jahre bleibt der finanzielle Druck hoch. Das beschlossene Stabilisierungskonzept soll die erwarteten Verluste deutlich reduzieren und damit die wirtschaftliche Grundlage des Klinikums nachhaltig verbessern.
Verkauf der Immobilie Bühl
Die Schließung des Klinikstandortes Bühl zum 31. Dezember wurde bereits 2025 beschlossen und kommuniziert. Der Aufsichtsrat hat dem Verkauf der Klinikimmobilie an die Stadt Bühl vorbehaltlich der Entscheidung der Stadt Bühl zugestimmt.
Veränderungen in der Geschäftsführung
Auch innerhalb der Geschäftsführung des Klinikums kommt es zu Veränderungen. Priv.-Doz. Dr. Thomas Iber zieht sich zum 28. Februar 2027 aus seinem Amt als Medizinischer Geschäftsführer zurück und konzentriert sich dann vollumfänglich auf sein Amt als Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin.
Der Kaufmännische Geschäftsführer Felix Brenneisen übernimmt weitere Zuständigkeiten unter anderem im Bereich der Medizinischen Versorgungszentren. Die Pflegedirektorin für die Akutklinken, Ute Heinrich unterstützt die Umsetzung des eingeschlagenen Weges von Seiten des Pflegedienstes für die Akutkliniken.
Zur Vervollständigung der Geschäftsführung soll zeitnah eine temporäre Geschäftsführungsposition mit besonderem Fokus auf Sanierungs- und Restrukturierungsexpertise ausgeschrieben werden. Die medizinische soll zugleich durch einen medizinischen Beirat gestärkt werden.
Bild: Petra Geiger
Text: Petra Geiger

