Aktuelle Lage im Gesundheitswesen
Seit unserer letzten Pressekonferenz hat sich die Lage der deutschen Kliniken weiter verschlechtert. Zu dieser Erkenntnis kommt auch das Deutsche Krankenhaus Institut in seinem Ende 2025 veröffentlichten DKI-Krankenhausbarometer. Die aktuellen Analysen und Einschätzungen zeigen erneut erhebliche finanzielle Belastungen.
„Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser bleibt auch zum Ende des Jahres 2025 angespannt. Das aktuelle DKI-Krankenhausbarometer zeigt erneut, dass ein Großteil der Kliniken unter erheblichen finanziellen Belastungen leidet. Steigende Personal- und Sachkosten, anhaltender Fachkräftemangel sowie strukturelle Defizite in der Finanzierung führen dazu, dass immer mehr Häuser negative Jahresergebnisse ausweisen. Im Jahr 2024 haben rund 66 Prozent der Kliniken einen Jahresfehlbetrag ausgewiesen – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Lediglich sechs Prozent der Häuser bewerten ihre wirtschaftliche Lage derzeit als „eher gut“. Für 2026 rechnen nur 13 Prozent mit einer Verbesserung.“
Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt in ihrer Einschätzung zur Lage Ende 2025 vor einer weiteren Verschärfung der Situation, sollte es nicht zeitnah zu verlässlichen politischen und finanziellen Rahmenbedingungen kommen.
„Die Ergebnisse des aktuellen Krankenhaus-Barometers sind alarmierend und ernüchternd zugleich. Die wirtschaftliche Situation unserer Kliniken hat einen historischen Tiefpunkt seit Einführung des Fallpauschalensystems vor mehr als 20 Jahren erreicht. Wenn zwei Drittel der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, bedroht dies die Existenz der Häuser und schränkt deren Möglichkeiten für not-wendige Investitionen in Modernisierung und Digitalisierung ein. Wir steuern sehenden Auges auf eine Situation zu, die dramatische Auswirkungen auf die Krankenhauslandschaft in Deutschland haben wird. Die Folgen werden auch für die Patientinnen und Patienten spürbar sein. Eine Wartelistenmedizin wird dann auch in Deutschland zur Realität. Die aktuelle Schieflage der Kliniken ist das Ergebnis jahrelanger mangelhafter Finanzierung bei gleichzeitig politisch induzierten Kostensteigerungen durch immer neue und höhere Anforderungen vor allem im Bereich der Personalvorhaltung. Die jüngste Inflations- und Energiekrise hat dies noch verschärft. Dabei sind die aktuellen Sparmaßnahmen der Politik bei den Kliniken und ausbleibende Entbürokratisierung noch nicht einmal berücksichtigt. Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich eine stabile und verlässliche Finanzierungsgrundlage zu schaffen und überbordende Bürokratielasten sowie nutzlose Personalvorgaben zu reduzieren“, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß.
Quelle: https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/viele-krankenhaeuser-kaempfen-ums-ueberleben/
Gleichzeitig stehen die Kliniken vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Die anstehende Umsetzung der Krankenhausreform, die Festlegung und Vereinbarung der Leistungsgruppen, die Einführung und Weiterentwicklung der Hybrid-DRG, die fortschreitende Ambulantisierung medizinischer Leistungen sowie die weiterhin eingeschränkte Planungssicherheit durch verzögerte oder unklare politische Vorgaben stellen die Krankenhäuser bundesweit vor erhebliche strategische Herausforderungen. Insbesondere die fehlende Verlässlichkeit in der Ausgestaltung zukünftiger Finanzierungsmodelle erschwert langfristige Investitions- und Personalentscheidungen. Erschwerend kommt das Aussetzen der Meistbegünstigungsklausel hinzu sowie der erforderlichen Mehraufwendungen für die Umsetzung des Krankenhauszukunftsgesetzes und damit einhergehenden Digitalisierungsprojekten.
Aktuelle Finanzlage bei den Städten und Kommunen
Die Entwicklungen bei den Kliniken treffen parallel auf eine schwierige Ausgangslage bei den Kommunen und Städten. Angespannte Haushalte, wachsende Pflichtausgaben und eingeschränkte Investitionsspielräume begrenzen zunehmend die Möglichkeiten für kommunale Träger, ihre Kliniken finanziell zu stabilisieren. Die wirtschaftliche Belastung des stationären Sektors ist damit nicht nur eine Herausforderung für einzelne Einrichtungen, sondern Ausdruck einer strukturellen Schieflage im gesamten Gesundheitssystem.
„Die Finanzlage der Kommunen in Deutschland hat sich in den zurückliegenden beiden Jahren stark verschlechtert. Für das Haushaltsjahr 2024 ist gar ein Rekorddefizit von 24,8 Mrd. Euro zu verzeichnen. Eine Vorabauswertung des KfW-Kommunalpanels 2025 zeigt, dass sich die Stimmung der Kämmereien erneut deutlich eintrübt.“ (Quelle: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2025/Fokus-Nr.-499-Mai-2025-Finanzlage-Kommunen.pdf)
Aktuelle Lage am Klinikum Mittelbaden (KMB)
Die bundesweit dramatische finanzielle Schieflage der deutschen Kliniken vor allem in den beiden letzten Geschäftsjahren spiegeln sich auch am KMB mit Blick auf das Segment „Krankenhaus“ wider.
Dabei befindet sich das KMB seit Jahren in einem kontinuierlichen Adaptions- und Transformationsprozess immer mit dem Ziel vor Augen, für die Region Mittelbaden eine bestmögliche klinische Versorgung anzubieten unter Berücksichtigung der gegebenen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Hierzu wurden mit der Strategie KMB 2025 und dem 14-Punkte-Plan bereits viele Maßnahmen zur Konzentration von medizinischen Leistungen und Reduktion von Standorten in Angriff genommen und erfolgreich umgesetzt.
Bereits bei der Wirtschaftsplanung 2025 wurden ergänzend zur Medizinstrategie Maßnahmen mit dem Ziel definiert, den Jahresfehlbetrag auf dem Niveau des Vorjahres zu stabilisieren. Hierzu zählte auch das Anfang 2025 gestartete Sachkostenoptimierungsprojekt.
Zur weiteren Konsolidierung wurden im laufenden Geschäftsjahr 2025 zusätzliche einschneidende Maßnahmen in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und den Trägergremien beschlossen. Hierzu wurde die im August 2025 veröffentlichte Immobilienstrategie erarbeitet, deren Ziel es ist, den Immobilienbestand zu reduzieren, die Leistungsangebote weiter zu konzentrieren und dadurch anstehende Investitionen sowie Instandhaltungsaufwendungen im Gebäudebestand zu begrenzen. Gleichzeitig soll durch die Verringerung des Zuschussbedarfs eine Entlastung der Gesellschafter erreicht werden.
Trotz der Umsetzung zahlreicher Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation sowie der finanziellen Unterstützungsleistungen durch die Stadt Baden-Baden und den Landkreis Rastatt bestehen weiterhin strukturelle Defizite (insbesondere die Mehr-Standort-Situation), die sich in jüngerer Zeit zusätzlich verschärft haben und die wirtschaftliche Stabilität nachhaltig belasten.
Parallel hierzu bestehen erhebliche Investitionsanforderungen, insbesondere im Bereich notwendiger Brandschutzmaßnahmen der Bestandsgebäude sowie im Hinblick auf geplante Neubauvorhaben. Darüber hinaus sind grundlegende strategische Entscheidungen zu Immobilien- und Standortfragen zu treffen, die mittel- und langfristige Auswirkungen auf die Ausrichtung des Klinikums haben.
Ebenso zeichneten sich prognostisch für 2026 weitere finanzielle Belastungen für das KMB ab. Die Aussetzung der Meistbegünstigungsklausel durch den Bund sowie die lediglich am Orientierungswert ausgerichtete Erhöhung des Landesbasisfallwertes um 2,98 Prozent gegenüber 2025 gehen für das KMB mit einem erheblichen finanziellen Nachteil einher. Insgesamt ergibt sich hieraus ein negativer Ergebniseffekt in Höhe von rund 2,7 Mio. Euro. Zusätzlich wirkt sich der Ambulantisierungs- und Hybrid-DRG-Katalog negativ auf die wirtschaftliche Situation aus. Der hieraus resultierende Effekt wurde quantifiziert und beläuft sich für das KMB auf etwa 0,7 Millionen Euro. Darüber hinaus entstehen Mehraufwendungen im Zusammenhang mit KHZG- und IT-Projekten, insbesondere im Bereich der Digitalisierung sowie der Umsetzung der NIS-2-Anforderungen. Diese Investitionen sind aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung und der notwendigen Prozessanpassungen unvermeidbar und führen zu zusätzlichen Aufwendungen von rund 2,7 Millionen Euro.
Vor diesem Hintergrund wurde in der Aufsichtsratssitzung am 14. Oktober beschlossen, das Beratungsunternehmen WMC Healthcare GmbH mit der Erarbeitung eines umfassenden Konsolidierungskonzeptes für die Klinikum Mittelbaden gGmbH zu beauftragen, um eine nachhaltige wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung bis zum Bezug des Neubaus 2034 zu ermöglichen.
Welche Anforderungen wurden an den Leistungsumfang gestellt?
Mit der Beauftragung des Gutachtens wurde auch ein detaillierter Leistungsumfang definiert. Das Gutachten sollte die Analyse der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens sowie die Entwicklung geeigneter finanzieller Sanierungsmaßnahmen umfassen. Als Ziele wurden unter anderem die kurzfristige Stabilisierung der Ertrags- und Liquiditätslage sowie die nachhaltige wirtschaftliche Konsolidierung definiert.
Hierzu sollten Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung erarbeitet werden, insbesondere durch Erlössteigerungen, Kostensenkungen und Prozessoptimierungen. Zudem sollten verschiedene Szenarien beleuchtet werden, unter anderem zur Reduzierung der Leiharbeit und zur Optimierung der Personalsteuerung.
Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf der Analyse der Liquidität sowie der Entwicklung einer Liquiditäts- und Investitionsstrategie liegen. Auf dieser Basis sollten konkrete Handlungsempfehlungen für Geschäftsführung, Gesellschafter und Aufsichtsrat abgeleitet werden.
Anhand dieser Prämissen erfolgte am 29. Januar die Präsentation des Abschlussberichts in der Aufsichtsratssitzung.
WMC-Ergebnispräsentation und Vorgehensweise
Bei der Aufsichtsratssitzung präsentierte die WMC Healthcare GmbH die Ergebnisse des fertiggestellten Konsolidierungskonzepts. Dieses beinhaltet Sofortmaßnahmen wie auch langfristige Konsolidierungsmaßnahmen. Die Ergebnisse wurden ausführlich dargestellt, erläutert und im Anschluss intensiv beraten. Zu den analysierten Bereichen zählten die Akuthäuser, Pflegeeinrichtungen, Medizinische Versorgungszentren sowie die Tochtergesellschaften. Die zentralen Erkenntnisse und daraus abgeleiteten Potenziale des Gutachtens wurden neben der Auswertung umfangreicher Datenanalysen auch bei einer Vielzahl von Abstimmungsgesprächen, Vor-Ort-Begehungen und Interviews validiert. Bei den Akuthäusern konnten die meisten Konsolidierungspotenziale identifiziert werden. Die Ergebnisse des Gutachtens bestätigten uns darüber hinaus, dass der im Sommer 2025 bereits angestoßene Prozess zur weiteren medizinstrategischen Schwerpunktkonzentration an zwei klinischen Standorten (Baden-Baden/Balg und Rastatt) in die richtige Richtung weist.
Ermittelte Potenziale des WMC-Gutachtens (operative Maßnahmen)
In der Aufsichtsratssitzung erfolgte eine thematische Differenzierung der erarbeiteten Konsolidierungspotenziale in operative Maßnahmen und die strategische Ausrichtung.
Zu den operativen Maßnahmen zählen die im Gutachten ausgewiesenen Aspekte zur prozessualen Exzellenz, zu einem nachhaltigen Erlösmanagement, einem bedarfsgerechten Personaleinsatz und einem effizienten Sachbedarfsmanagement. Bei der prozessualen Exzellenz berücksichtigt das WMC-Gutachten Aspekte wie die Verweildaueroptimierung in den Akutkliniken, die Auslastungssteigerung bei den Pflegeeinrichtungen oder die Fallzahlsteigerung in den Medizinischen Versorgungszentren. Hinsichtlich eines nachhaltigen Erlösmanagements wurden unter anderem Erlösoptimierungen bei den Wahlleistungen und Optimierungspotenziale in der Kodierung und Abrechnung identifiziert. Beim bedarfsgerechten Personaleinsatz ergaben sich bei der Analyse Potenziale beispielsweise durch die Erarbeitung von strategischen Zielbildern auf Benchmark-Niveau vergleichbarer Kliniken, durch den Abbau von Fremdpersonal oder durch Nutzung natürlicher Fluktuation zur Personalreduktion in bestimmten Bereichen. Hinsichtlich eines effizienten Sachbedarfsmanagements zeigten sich im Zuge der Analyse Konsolidierungsoptionen beim medizinischen Sachbedarf.
Nach der Präsentation und Beratung im Aufsichtsrat liegt die konkrete Umsetzung der identifizierten operativen Maßnahmen nun in unseren Händen als Geschäftsführer. Der Aufsichtsrat hat die aufgezeigten Inhalte zur Kenntnis genommen und um regelmäßige Berichterstattung zum Umsetzungsstand gebeten.
Gemeinsam mit der Firma WMC und den betroffenen Führungskräften werden wir nun die nächsten Schritte in Angriff nehmen. Mit der konsequenten und zügigen Umsetzung der operativen Maßnahmen streben wir zeitnah spür- und sichtbare wie auch nachhaltige Verbesserungen unserer wirtschaftlichen Situation an.
Das Gutachten ergab ein Einsparpotenzial von 11,1 Millionen Euro bis zum Jahr 2034 bei der Ausschöpfung aller operativen Potenziale. Bei schneller Umsetzung der ersten Schritte könnten bereits im Jahr 2026 11 Prozent des Gesamtpotenzials erreicht werden.
Neubesetzung der Pflegedirektion
Mit Blick auf die Umsetzung der operativen Maßnahmen kommt die Nachbesetzung der Pflegedirektion für die Akutkliniken genau zum richtigen Zeitpunkt.
Die Stelle wird spätestens zum 1. April mit Ute Heinrich, einer erfahrenen Pflegemanagerin, nachbesetzt. Mit der künftigen Pflegedirektorin, die auch Mitglied der erweiterten Geschäftsführung sein wird, gewinnt das Klinikum eine Führungspersönlichkeit mit ausgeprägter Management- und Leitungsexpertise sowie langjähriger Erfahrung in der Steuerung von Veränderungs- und Transformationsprozessen im Gesundheitswesen. Sie steht für eine zukunftsorientierte Pflegeführung, die die Qualität der Versorgung, die Mitarbeiterorientierung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gleichermaßen berücksichtigt. Pflege versteht sie dabei als zentrale Gestaltungs- und Steuerungskraft im Klinikum sowie als wichtiges Bindeglied zwischen Medizin, Patientinnen und Patienten und den weiteren Berufsgruppen. In der Anfangsphase wird sich die neue Pflegedirektorin darauf konzentrieren, die Standorte kennenzulernen, bestehende Strukturen und Prozesse zu analysieren und gemeinsam mit den Beteiligten auf Basis des WMC-Gutachtens Perspektiven für die Weiterentwicklung der Pflege zu erarbeiten und klinische Prozesse zu unterstützen.
Ermittelte Potenziale des WMC-Gutachtens (strategische Ausrichtung)
Für die Weiterentwicklung der medizinstrategischen Ausrichtung werden zusätzliche Abstimmungen mit den Gesellschaftergremien (Gemeinderat Baden-Baden, Kreistag Rastatt) erforderlich sein. Der Aufsichtsrat hat hierzu entsprechende Empfehlungen bei der Aufsichtsratssitzung ausgesprochen. In diesem Zusammenhang hat WMC zur medizinstrategischen Weiterentwicklung bei der Gutachtenerstellung Zielbilder erstellt, die als Entscheidungsgrundlage dienen. Dabei wurden die nachfolgenden Aspekte berücksichtigt:
- Fortführung des Konzentrationsprozesses auf zwei Standorte
- Sicherstellung der strukturellen Anforderungen und Mindestvorgaben zur Aufrechterhaltung von Leistungsgruppen und Notfallstufen
- Verbesserung der Wirtschaftlichkeit durch Bündelung von Leistungen, effizientere Ressourcennutzung und Senkung von Vorhaltekosten
- Reduktion redundanter Strukturen und bessere Nutzung standortübergreifender Synergien
Die Ergebnisse des Gutachtens bestätigen den im Sommer 2025 angestoßenen Prozess zur medizinstrategischen Schwerpunktkonzentration an zwei klinischen Standorten. Durch den Abbau von Doppelstrukturen und Schwerpunktbildung können sämtliche Fachbereiche innerhalb der bestehenden Strukturen untergebracht werden.
Regulatorische Einflüsse und wirtschaftliche Aspekte
Das Klinikum Mittelbaden steht unter dem Einfluss weitreichender regulatorischer Vorgaben wie der Umsetzung der Krankenhausreform gepaart mit einer seit Jahren angespannten wirtschaftlichen Situation.
Ein zentrales Element der Krankenhausreform ist die Einführung von Leistungsgruppen mit verbindlichen Mindestmengen und Facharztquoten. Hier kann es bei Doppelvorhaltungen an verschiedenen Standorten zu wechselseitigen Beeinflussungen der Leistungsgruppen kommen. Im Zuge der Reformumsetzung nimmt der Medizinische Dienst auch detaillierte Überprüfungen der Leistungsgruppen, und damit einhergehend auch Prüfungen von Struktur- und Qualitätsanforderungen vor. Dabei ist die nachhaltige Sicherung des bestehenden Leistungs- und Versorgungsangebots und der Erhalt bestehender Notfallstufen unser erklärtes Ziel. Vor diesem Hintergrund ist ein fachlich fundiertes Leistungsgruppenkonzept, ausgerichtet auf die Krankenhausreform und die Perspektive des künftigen Zentralklinikums, zwingend erforderlich.
Erschwerend kommt die seit Ende 2025 festgeschriebene 2.000-Meter-Regelung als räumliches Abgrenzungs- bzw. Steuerungsinstrument bei der Zuordnung von Leistungsangeboten und Standorten hinzu. Von dieser Regelung wäre Ebersteinburg (mit 4,3 km Entfernung zum Standort Balg) betroffen. Nach der Neuregelung wäre der klinische Betrieb in Ebersteinburg mit entsprechend hohen Auflagen (und damit Kosten) für eine Fachklinik verbunden oder wäre auf eine zeitlich begrenzte Übergangsregelung (< 3 Jahre) beschränkt.
Gegenstand der anstehenden Gremienbeschlussfassungen
Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte und im Hinblick auf die Schließung des Standortes in Bühl zum Jahresende hat WMC einen Vorschlag zur künftigen medizinstrategischen Ausrichtung erarbeitet. Für die Weiterentwicklung sind zusätzliche Abstimmungen mit den Gesellschaftergremien (Gemeinderat Baden-Baden, Kreistag Rastatt) erforderlich. Der Aufsichtsrat hat hierzu entsprechende Empfehlungen bei der Aufsichtsratssitzung ausgesprochen. Die Beratungen finden in der Gemeinderatssitzung in Baden-Baden am 9. März und in der Kreistagssitzung am 10. März 2026 statt. Zur Beratung stehen die nachfolgenden Veränderungen als Gesamtpaket an:
- Verlagerung der Abteilung Geriatrie an den Standort Baden-Baden/Balg
- Konzentration der Abteilung Kardiologie am Standort Rastatt
- Verlagerung der Abteilung Schmerzmedizin an den Standort Rastatt
- Integration des Ambulanten Operierens in den Standort Baden-Baden/Balg
- Verlagerung der Sportmedizin an den Standort Rastatt
Am 13. und 14. März schließt sich die gemeinsame Klausurtagung mit dem Aufsichtsrat an, so dass wir in der Folge davon ausgehen, dass auf dieser Basis einerseits der Wirtschafts- und Investitionsplan 2026 sowie darauf aufbauend die integrierte Wirtschafts- und Finanzplanung bis zum Jahr 2034 erfolgen kann.
Ausblick auf Leistungsentwicklung und Fallmodellierung
Mit Blick auf die Neuausrichtung der Medizinstrategie hat WMC prospektiv auch eine Leistungsentwicklung nebst Fallzahlmodellierung für die beiden Standorte Baden-Baden/Balg und Rastatt bis zum Bezug des Neubaus 2034 vorgenommen. Diese geht von einer moderaten Fallzahlsteigerung unter Berücksichtigung der künftigen medizinischen Zielbilder aus. Ein zentraler Baustein hierfür wird die Neuausrichtung der Gynäkologie und Geburtshilfe in Baden-Baden/Balg sein.
Neubesetzung Chefarzt Gynäkologie
Vor diesem Hintergrund freuen wir uns sehr, dass Priv.-Doz. Dr. med. Davut Dayan sein neues Amt als Chefarzt der Frauenklinik in Baden-Baden/Balg antreten wird. Das KMB gewinnt mit ihm einen ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Der habilitierte Gynäkologe des Universitätsklinikums Ulm verfügt über eine ausgewiesene Spezialisierung in der gynäkologischen Onkologie und der Behandlung von Endometriose. Dank seiner hohen fachlichen Kompetenz und langjährigen Erfahrung in der minimalinvasiven Chirurgie wird er die Weiterentwicklung innovativer Behandlungsmethoden maßgeblich vorantreiben und neue gynäkologische Versorgungsangebote in Mittelbaden etablieren. In der Fachwelt genießt der künftige Klinikchef ein sehr hohes Ansehen und steht für medizinische Expertise auf höchstem Niveau.
Vertragsverlängerung Medizinischer Geschäftsführer
Als wichtiges Zeichen bewerten wir als Führungsduo die Vertragsverlängerung von Priv.-Doz. Dr. Thomas Iber für weitere fünf Jahre. Es ist für uns ein wichtiges Signal im Hinblick auf die Kontinuität im eingeschlagenen Transformationsprozess und auch eine Anerkennung für das in den zurückliegenden Jahren Geleistete unter Berücksichtigung der überaus herausfordernden und komplexen Ausgangslage und Gesamtsituation des KMB.
Neubauvorhaben
Die detaillierte Übersicht zu den Bauphasen finden Sie im PDF am Ende des Beitrags.
Fazit
Alle bisher angestoßenen, umgesetzten und jetzt noch in Angriff zu nehmenden Maßnahmen für die Zeit bis zum geplanten Bezug des Neubaus 2034 sehen wir als notwendige Schritte an, um bei diesen schwierigen gesundheitspolitischen und finanziellen Rahmenbedingungen wirtschaftliche Stabilität, Versorgungsqualität und Arbeitgeberattraktivität perspektivisch in Einklang zu bringen. Das WMC-Gutachten ist neben den bereits umgesetzten und angestoßenen Maßnahmen eine wichtige Basis, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern und die kommunalen Haushalte zu entlasten. Die hohe Dynamik verlangte und verlangt uns allen insbesondere auch den Mitarbeitenden des Klinikum Mittelbadens sehr viel ab. Wir können auch mehr als nachvollziehen, dass die fortwährend erforderlichen Beschlüsse unserer Trägergremien im Gemeinderat in Baden-Baden und im Kreistag Rastatt keine einfachen Entscheidungen sind. Bei der hohen Komplexität der Themen ist es uns ein wichtiges Anliegen Transparenz herzustellen, um gemeinsam die große Herausforderung bis zum Bezug des Neubaus zu bewältigen.
Auch für unsere aktuellen und künftigen Patientinnen und Patienten wie auch ihre Angehörigen sowie die niedergelassene Ärzteschaft ist es uns ebenso wichtig, schnellstmöglich Klarheit zu den klinischen Leistungsangeboten und damit verbundenen klinischen Standorten zu geben.
Am 9. März stehen im Gemeinderat in Baden-Baden die Beratungen gefolgt vom Rastatter Kreistag am 10. März an. Daran schließt sich am 13. Und 14. März die gemeinsame Klausurtagung mit dem Aufsichtsrat an, so dass wir in der Folge davon ausgehen, dass auf dieser Basis die integrierte Wirtschafts- und Finanzplanung bis zum Jahr 2034 erfolgen kann.
Wir werden unternehmensintern wie auch extern fortlaufend zu den getroffenen und anstehenden Veränderungen berichten.
Pressemitteilung mit detaillierten Grafiken als PDF-Download.
Text: P. Geiger
Bildquelle: S. Gilg

