Das Klinikum Mittelbaden hat Prof. Dr. Marc Thomsen, den langjährigen Chefarzt der Baden-Badener Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, verabschiedet und für seine innovativen Verdienste gewürdigt.
Er hat viele Dinge früh gedacht, auf den Weg gebracht und gemacht: „Vor allem durch meinen engen Bezug zur Forschung und Entwicklung konnte ich in vielen Bereichen Pionierarbeit leisten“, sagt Prof. Dr. Marc Thomsen. Viele wegweisende Behandlungsmethoden hat der Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Baden-Baden ganz früh etabliert – zum Beispiel die „ERAS bzw. Fast Track Surgery“ oder die Einführung eines Kurzschaftsystems vor mehr als zwölf Jahren. Durch minimal-invasive Technik und frühzeitige Mobilisierung verkürzte er die Genesungszeit merklich und setzte neue Standards in der chirurgischen Nachsorge. Doch nicht nur medizinisch, auch organisatorisch hat Thomsen optimiert: 2017 hat er den Beginn der Arbeitszeit für seine Klinik auf 7 Uhr vorgezogen. So konnte die ärztliche Visite vor der Frühbesprechung und vor Operationsbeginn stattfinden, wodurch die Abläufe für Patienten und Mitarbeitende verbessert wurden.
Vom Medizinstudenten zum Professor der Universität Heidelberg
Sein beruflicher Weg begann nach dem Medizinstudium an der Universität Heidelberg in der Chirurgie der Städtischen Kliniken Darmstadt. 1990 wechselte Thomsen an die größte deutsche „Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg“, an der er mehr als 17 Jahre tätig war – zunächst als Assistenzarzt, später als Oberarzt und schließlich als Leitender Oberarzt. Dort baute er unter anderem ab 1993 ein Labor für Biomechanik und Implantatforschung auf und entwickelte sich zu einem gefragten Experten rund um den künstlichen Gelenkersatz. 2001 erhielt er den begehrten Wissenschaftspreis der AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik für seine Arbeit „Die Bedeutung der Fräsbahngenerierung für die roboterassistierte Implantation von Hüftendoprothesenschäften“. Ein Thema, das 25 Jahre später wieder aktuell ist. 2002 folgten die Habilitation und die Lehrbefugnis an der Universität Heidelberg, 2005 dann die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor.
Seit Mai 2007 wirkte Thomsen als Chefarzt in Baden-Baden, zunächst an der DRK-Klinik. Ab 2013 kam die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Stadtklinik als zweite Klinik dazu. 2015 wurde die DRK-Klinik dann in Balg integriert zum heutigen Klinikum Mittelbaden. 2015 folgte für Baden-Baden die erstmalige Zertifizierung als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZ Max).
Unter seiner Leitung erzielt die Klinik seit Jahren Spitzenplatzierungen in Klinikrankings (Focus, Stern). Auch im deutschen Endoprothesenregister gehört das Baden-Badener EPZ Max zu den Zentren mit sehr guten Ergebnissen. Auch Thomsen gehört seit Jahren zu den TOP Medizinern (Focus, Stern). Neben mehr als 150 Fachpublikationen und Buchbeiträgen sowie weltweiten Kongressvorträgen vermittelte er sein Wissen regelmäßig in Medien wie dem NDR, SWR oder via YouTube allgemeinverständlich an Patienten.
Professor Thomsen bleibt der Wissenschaft treu
Operieren wird er in seinem Ruhestand nicht mehr, der Wissenschaft bleibt er treu: In dem von ihm aufgebauten Labor für Biomechanik und Implantatforschung an der Universität Heidelberg gibt er im Juli und November einen Kurs für Medizinstudierende und Ingenieure. „Mein wissenschaftliches Interesse für mein Fach ist nach wie vor ungebrochen und mein Wissen gebe ich gern weiter“, so Thomsen. „Die vielen dankbaren Patienten, denen wir wieder ihre Lebensqualität zurückgeben konnten, werden mir am meisten fehlen – und die tolle Teamarbeit.“
Im Ruhestand beschäftigt er sich nur noch mit einem englischen Patienten, einem 65 Jahre alten MGA Roadster. Ende Juni nimmt er damit an einer Oldtimerausfahrt teil. „Als Orthopäde schraube ich natürlich selbst“, berichtet er schmunzelnd. Den Einstieg in seinen Ruhestand genießt Thomsen auf See: Am 1. Juni fährt er mit der Fähre von Kiel nach Göteborg, wo sein Bruder als Professor für Meereskunde lehrt. Gemeinsam kümmern sie sich um ihr Segelboot. Auch hier sind manuelles Geschick und Verantwortung als Skipper gefragt.
Am 22. Mai hat das Klinikum Mittelbaden den langjährigen Chefarzt verabschiedet: „Mit seinem medizinischen Können, seiner menschlichen Haltung und seinem unermüdlichen Einsatz hinterlässt Professor Thomsen weit mehr als fachliche Erfolge – er hat Menschen geprägt, Vertrauen geschaffen und Spuren hinterlassen, die bleiben. Die Zusammenarbeit mit ihm hat mir viel Freude gemacht“, sagt Klinikdirektorin Heike Ullrich-Bunge. Seinen Kolleginnen und Kollegen gibt Thomsen mit auf den Weg: „Wichtig ist, dass der Beruf Spaß macht – und die Kliniken sollen schauen, dass sie die Rahmenbedingungen so gestalten, dass es Spaß macht, dann sind auch die Patienten glücklich.“
Nach dem offiziellen Abschied in der Klinik in Balg hatte Thomsen seine Weggefährten aus Heidelberg und Baden-Baden zu einer Feier auf den Merkur eingeladen. Ein Ort, der nicht nur seine Verbundenheit zu Baden-Baden zum Ausdruck bringt, sondern der auch ein Symbol ist für den Weitblick, mit dem Thomsen in seiner beruflichen Laufbahn Innovationen vorangetrieben und umgesetzt hat. „Professor Thomsen hat unsere Orthopädie und Unfallchirurgie über Jahre geprägt – mit hoher fachlicher Expertise, Weitblick und großem Engagement. Viele Innovationen tragen seine Handschrift. Wir danken ihm herzlich und wünschen ihm für den Ruhestand alles Gute“, so PD Dr. Thomas Iber, medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden.
Text: Susanne Gilg
Foto: Petra Geiger
Bildunterschrift: Würdigung eines Pioniers der modernen Endoprothetik: Chefarzt Prof. Dr. Marc Thomsen (Mitte) wurde im feierlichen Rahmen von der Klinikdirektion und der Geschäftsführung in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. An seiner Seite seine Ehefrau mit Blumenstrauß.



