Das Klinikum Mittelbaden stellt sein Jahresergebnis für 2024 vor, geht auf geplante Weichenstellungen ein und gibt einen ersten Ausblick auf die nächsten Schritte beim Neubauprojekt.
Nach der Vorstellung des Jahresergebnisses der Klinikum Mittelbaden gGmbH (KMB) und ihrer Tochtergesellschaften im Kreistag Rastatt (22.7.), im Gemeinderat Baden-Baden (28.7.) wie auch bei einer gemeinsamen Sitzung des Gemeinderats Baden-Baden und des Kreistags Rastatt (31.7.) präsentiert die Geschäftsführung bei der Jahrespressekonferenz am 4. August das Jahresergebnis 2024, blickt auf entscheidende Entwicklungen des vergangene n Jahres zurück und gibt einen Ausblick auf die geplanten Weichenstellungen für die kommenden Jahre.
Im Zentrum stehen die wirtschaftliche Bilanz des vergangenen Jahres, deren Einordnung in die aktuelle Krankenhauspolitik auf Bundes- und Landesebene, geplante Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation sowie ein Ausblick auf das Neubauprojekt des Klinikums Baden-Baden Rastatt.
Jahresergebnis 2024: Systembedingte Strukturprobleme und Kostenexplosionen wirken sich weiter negativ aus
„Das Geschäftsjahr 2024 war erneut ein Jahr großer Herausforderungen für die Krankenhäuser in Deutschland – wie auch für uns als regionaler Gesundheitsversorger in der Region Mittelbaden“, beschreibt der kaufmännische Geschäftsführer Felix Brenneisen die Situation.
Die wirtschaftliche Lage der Kliniken hat sich bundesweit dramatisch verschärft. Laut aktueller Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft erwarten 79 Prozent der Krankenhäuser für 2024 ein negatives Jahresergebnis – das ist eine Zunahme von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch alarmierender: Zweidrittel der Krankenhäuser rechnen mit einer weiteren Verschlechterung für das Geschäftsjahr 2025.
Für Brenneisen liegen die Ursachen dafür klar auf der Hand. Sie sind strukturell bedingt und systemimmanent. Seinen Angaben zufolge sind die Fallpauschalen weiterhin nicht kostendeckend kalkuliert. Die Tarifsteigerungen und Inflation schlagen trotz Anhebung des Landesbasisfallwertes 2024 durch, ohne dass eine ausreichende Refinanzierung erfolgt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Energiehilfen bereits im Mai 2024 ausliefen – seither müssen Krankenhäuser sämtliche Preissteigerungen bei Sachkosten selbst tragen. Zusätzlich belasten Lieferengpässe bei Arzneimitteln und medizinischen Produkten, Bürokratie, sowie der anhaltende Fachkräftemangel, vor allem in der Pflege die wirtschaftliche und strukturelle Situation der Gesundheitsversorger.
„Auch wir am Klinikum Mittelbaden spüren diese Entwicklungen sehr deutlich. Für das Geschäftsjahr 2024 müssen wir einen Jahresfehlbetrag von 16,75 Millionen Euro ausweisen, was hauptsächlich auf die beschriebenen Ursachen zurückzuführen ist.“ In dem Zusammenhang informierte Brenneisen auch, dass der Jahresabschluss mit dem Datum zum 12. Juni uneingeschränkt testiert wurde von Seiten des Wirtschaftsprüfers.
Positive Leistungsentwicklung und Fallzahlen bei unseren Kliniken
„Trotz der beschriebenen Herausforderungen konnten wir die Zahl der stationär behandelten Patienten im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent auf 32.974 erhöhen. Auch im Bereich der ambulanten Operationen ist im Vorjahresvergleich ein Zuwachs von 3.393 auf 3.505 Eingriffe zu verzeichnen. Dank der Einführung der Hybrid-DRGs wurden 948 Patienten zusätzlich behandelt“, zeigt der Medizinische Geschäftsführer Priv.-Doz. Dr. Thomas Iber das Leistungsgeschehen auf.
Die Entwicklung der medizinischen Versorgung verlief seinen Angaben zufolge über alle Klinikstandorte hinweg positiv und homogen. „Unsere durchschnittliche Verweildauer liegt mit 5,53 Tagen weiterhin unter dem Landesschnitt – ein Ausdruck effizienter und patientennaher Versorgung“, hebt Iber hervor.
Positive Leistungsentwicklung bei den Pflegeeinrichtungen
Brenneisen berichtet, dass auch bei den Pflegeeinrichtungen Fortschritte erzielt wurden: Nach einem Jahresfehlbetrag von 1.732.000 € in 2023 weisen die Pflegeangebote 2024 ein Jahresergebnis von -522.078 € aus. Seinen Angaben zufolge erzielte der ambulante Pflegedienst für 2024 erneut einen Überschuss, und das 2023 eröffnete Haus der Jungen Pflege in Kuppenheim konnte die Auslastung deutlich steigern. Trotz der hohen Nachfrage nach Pflegeplätzen in unseren Einrichtungen, können aufgrund des Fachkräftemangels, nicht die gesamten Anfragen bedient werden.
Gemischte Entwicklungen bei den Tochtergesellschaften
Bei der Entwicklung der Tochtergesellschaften ziehen die beiden Geschäftsführer eine gemischte Bilanz. Die Service gGmbH und die Catering gGmbH schlossen das Jahr 2024 mit Überschüssen ab. Im ambulanten Sektor ergaben sich bei den MVZ gGmbHs in Baden-Baden und Durmersheim Jahresfehlbeträge, was laut Iber den schwierigen Rahmenbedingungen im ambulanten Bereich geschuldet ist.
Mit vereinten Kräften durch ein bewegtes Jahr
Beide Geschäftsführer sind sich mit Blick auf die Ergebnisse einig, dass gemeinsam viel bewegt werden konnte. „Trotz aller Widrigkeiten konnten wir mit vereinten Kräften, durch den außerordentlichen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unserer ehrenamtlichen Helfer und der verlässlichen Unterstützung unserer Gesellschafter, das Jahr gestalten. Dafür möchten wir uns auch an dieser Stelle bei allen Beteiligten bedanken.“
Strukturelle Unterfinanzierung bringt Kliniken unter Druck
Die wirtschaftliche Lage des Klinikums Mittelbaden (KMB) ist kein Einzelfall, sondern Folge einer systembedingten Unterfinanzierung im Gesundheitswesen. Seit Jahren steigen die Kosten schneller als die Landesbasisfallwerte – eine Schere, die sich immer weiter öffnet. Zudem erfüllt das Land seine gesetzliche Pflicht zur vollständigen Investitionskostenfinanzierung nicht. Kliniken wie das KMB müssen daher Investitionen aus dem laufenden Betrieb stemmen – obwohl dafür keine Mittel in den Fallpauschalen vorgesehen sind. Zusätzlich belasten systemisch angelegte Finanzierungsprobleme die Liquidität: Kliniken müssen Betriebskosten über Monate hinweg vorfinanzieren, ohne gesicherte Budgetgrundlage, da die Verhandlungen mit den Kostenträgern rückwirkend erfolgen. Dies stellt ein erhebliches Liquiditätsrisiko dar – für 2025 rechnet das KMB allein mit einer Vorfinanzierungslast von rund 4 Mio. Euro. Auch fehlende Refinanzierungen ärztlicher Leistungen, etwa bei Chefarztverträgen, garantierten Facharztbesetzungen oder G-BA-Vorgaben, verschärfen die wirtschaftliche Lage zusätzlich.
„Trotz effizientem Haushaltsmanagement und früher Budgetverhandlungen zeigt sich deutlich, dass das Gesundheitswesen ohne grundlegende Reformen ein struktureller Zuschussbetrieb bleibt“, so die Einschätzung des kaufmännischen Geschäftsführers.
Was ist von Seiten des Bundes in Umsetzung und geplant?
Beim seit Anfang des Jahres in Kraft getretenen Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) sind Anpassungen erforderlich. Das Krankenhausanpassungsgesetz (KHAG) befindet sich in Vorbereitung. Es soll ab dem Spätjahr im parlamentarischen Verfahren verhandelt werden. Ferner sollen die Lücken bei den Sofort-Transformationskosten als Ausgleich für die Kostensteigerungen in den Jahren 2022 und 2023 geschlossen werden mit 1,5 Milliarden Euro in 2025 und 2,5 Milliarden Euro in 2026. Die Auszahlungen an die Kliniken sollen ab November erfolgen. Darüber hinaus gibt es einen Transformationsfond über 10 Jahre getragen durch Bund und Länder (Bund 3,5 Milliarden Euro / Länder 1,5 Milliarden Euro pro Jahr) zur Strukturanpassung im Rahmen der Krankenhausreform.
Wie begegnet das KMB den aktuellen Herausforderungen?
„Organisatorisch und strukturell haben wir 2024 intensiv an der Umsetzung unserer strategischen Ziele gearbeitet und wichtige Weichen gestellt“, berichtet der Kaufmännische Geschäftsführer. Laut Brenneisen wurden 2024 umfangreiche Maßnahmen zur Brandschutzertüchtigung an den Kliniken in Baden-Baden und Rastatt in Angriff genommen, das Controlling wurde reorganisiert und damit einhergehend das Berichtswesens ausgebaut. Im medizinischen Sektor wurden Iber zufolge Vorkehrungen zur weiteren Anpassung an die Ambulantisierung insbesondere durch die Umsetzung des erweiterten AOP-Katalogs getroffen. Darüber hinaus erfolgte eine konsequente Umsetzung der Medizinstrategie in Kombination mit dem 14-Punkte-Plan. Ferner wurden wichtige Grundlagen zur weiteren Verbesserung des Personalkostenmanagements und der Sachkostenoptimierung geschaffen.
Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation auf Basis der Immobilienstrategie
Aufgrund der wirtschaftlichen Situation des Klinikums und der angespannten kommunalen Haushaltslage insbesondere der Stadt Baden-Baden sind nach Einschätzung beider Geschäftsführer bis zum Bezug des Neubaus noch weitere Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation erforderlich.
„Vor diesem Hintergrund haben wir in den letzten Wochen unter anderem all unsere Bestandsimmobilien auf den Prüfstand gestellt und eine detaillierte Immobilienstrategie erarbeitet. Unsere Zielsetzung war es, ein tragfähiges Modell zur mittel- und langfristigen Nutzung sowie möglichen Reduzierung und Zentralisierung der regional verteilten Bestandsimmobilien des Klinikums zu entwickeln. Dabei stand im Vordergrund, Synergien zu identifizieren, Potenziale durch die Zusammenführung von Bereichen zu nutzen und die anstehenden Investitionen für die Betriebssicherheit und Instandhaltung zu reduzieren“, verdeutlicht Brenneisen.
„Bei all unseren Überlegungen haben wir ein besonderes Augenmerk auf zwei Aspekte gelegt, die medizinische und pflegerische Versorgungssicherheit in der Region Mittelbaden sowie den Erhalt aller Arbeitsplätze. Unsere oberste Priorität bleibt die verlässliche, hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung. Durch die Konzentration an weniger Standorten sind der bestehende Versorgungsauftrag und das bestehende Leistungsangebot für die Region Mittelbaden vollumfänglich sichergestellt. Ferner versprechen wir uns durch eine Konzentration an weniger Standorten eine Entschärfung des bestehenden Fachkräftemangels“, erklärt Iber.
Zu den erarbeiteten Vorschlägen fand ein enger Austausch mit dem Aufsichtsrat statt und in der Aufsichtsratssitzung am 23. Juli wurden die Weichen für die Umsetzung konkreter Maßnahmen gestellt, um die Leistungsangebote zu konzentrieren, den Immobilienstand zu reduzieren sowie anstehende Investitionen und Instandhaltungen in den Bestandsgebäuden einzudämmen.
Von diesen Weichenstellungen betroffen sind der Klinikstandort in Bühl, der Standort in Forbach sowie unsere Immobilie in Gernsbach, die bis zum Jahresende noch an das MEDICLIN Reha-Zentrum Gernsbach vermietet ist.
Beim Standort Bühl empfiehlt der Aufsichtsrat der Gesellschafterversammlung der Schließung des Krankenhausstandortes Bühl grundsätzlich zuzustimmen und beauftragt die Geschäftsführung, die notwendigen Maßnahmen zur Verlagerung der Leistungsangebote und zur Schließung des Standortes vorzubereiten. Die Umsetzung soll bis Ende 2026 erfolgen.
Beim Standort Forbach, wo aktuell die Kurzzeitpflege untergebracht ist, wird den Gesellschaftern der Klinikum Mittelbaden gGmbH ebenfalls die Stilllegung unter Erhalt bestehender Mietverträge zum nächst möglichem Zeitpunkt in Abstimmung mit dem Land Baden-Württemberg empfohlen. Die Geschäftsführung wird mit der entsprechenden Umsetzung beauftragt. Angestrebt wird eine Umsetzung bis Ende 2025. „Wenn die Übergangsfrist zur Umsetzung der Landesheimbauverordnung (LHeimBauVO) Ende 2030 ausläuft, wären erhebliche Umbauten erforderlich. Vor diesem Hintergrund haben wir die Überlegung angestellt, die Kurzzeitpflege in das Haus der Jungen Pflege in Kuppenheim zu verlagern. Im Haus der Jungen Pflege in Kuppenheim könnte dadurch eine Vollbelegung erzielt werden, was mit einer Verbesserung der finanziellen Situation in dieser Einrichtung einhergehen würde“, zeigt Brenneisen die Hintergründe auf. Seinen Angaben zufolge soll das Gebäude in Forbach nach Möglichkeit anschließend veräußert oder in Abstimmung mit der Gemeinde Forbach vermietet werden. Die Beibehaltung der bestehenden Mietverträge der Hausarztpraxis, der Tagespflege und des DRK sollten bei einem Verkauf angestrebt werden.
Bei der Immobilie in Gernsbach hat Mediclin als Mieter den bestehenden Mietvertrag zum 31. Dezember 2025 gekündigt. Um weitere Kosten bei gleichzeitigem Wegfall der Miteinnahmen für das Klinikum Mittelbaden zu vermeiden, hat der Aufsichtsrat der zeitnahen Veräußerung der Immobilie Anfang 2026 zugestimmt und die Geschäftsführung damit beauftragt, Angebote einzuholen.
Der Gemeinderat Baden-Baden und der Kreistag Rastatt wurden am 31. Juli bei einer gemeinsamen Sitzung im Zuge der Präsentation des Jahresabschlusses 2024 und dem Bericht zur aktuellen wirtschaftlichen Lage des KMB zu den geplanten Maßnahmen bei den Bestandsimmobilien informiert. Die geplanten Maßnahmen konnten von den anwesenden Mitgliedern nachvollzogen werden – gerade auch im Hinblick auf die angespannte kommunale Haushaltslage insbesondere der aktuellen finanziellen Situation der Stadt Baden-Baden. Eine endgültige Beschlussfassung steht derzeit noch aus. Die Beratung im Gemeinderat und im Kreistag ist nach der Sommerpause für Oktober vorgesehen. Im Anschluss soll im November die finale Entscheidung in der Gesellschafterversammlung getroffen werden – vorausgesetzt, der Gemeinderat Baden-Baden und der Kreistag Rastatt erteilen Oberbürgermeister Dietmar Späth und Landrat Prof. Christian Dusch das Mandat, den geplanten Maßnahmen zuzustimmen.
Neubauprojekt Klinikum Baden-Baden Rastatt: Nächste Schritte nach dem Bürgerentscheid
Ein weiteres zentrales Thema ist das geplante Neubauprojekt des Klinikums Baden-Baden Rastatt. Nachdem die Planungen seit November 2024 aufgrund des anstehenden Bürgerentscheids ruhten, kann es nach dem eindeutigen Votum der Baden-Badener Bevölkerung Ende Juni nun mit Volldampf weitergehen.
Am 15. Juli erfolgte die Gründung der Errichtungs- und Betriebsgesellschaft. Ziel der Gesellschaft ist es, das neue Zentralklinikum beim Münchfeldsee in Rastatt zu bauen und zu betreiben. Die beiden Vertreter der Gesellschafterversammlung, Landrat Prof. Dr. Christian Dusch und Oberbürgermeister Dietmar Späth, beurkundeten diese Gründung vor Notar Dr. Claudius Korch in Baden-Baden, der die Gesellschaft nun ins Handelsregister eintragen lassen wird. Bei der Beurkundung waren auch die beiden Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, Felix Brenneisen und Priv.-Doz. Dr. Thomas Iber, anwesend. An der neuen Gesellschaft ist der Landkreis Rastatt mit 70,5 Prozent und der Stadtkreis Baden-Baden mit 29,5 Prozent beteiligt. In der neuen Errichtungs- und Betriebsgesellschaft wird der Landrat aufgrund der Mehrheitsverhältnisse grundsätzlich den Vorsitz führen, ständiger Stellvertreter ist der Oberbürgermeister von Baden-Baden.
Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie, die sich mit der optimalen Anordnung der Klinikgebäude auf dem Gelände sowie der verkehrstechnischen und infrastrukturellen Erschließung befasst. Zudem wird derzeit eine Markterkundung durchgeführt, die die Grundlage für die Ausgestaltung eines passenden Beschaffungsmodells liefert. Ein umfassendes Energiekonzept ist in Planung. Ziel ist es, die Klimaneutralitätsvorgaben des Landes Baden-Württemberg zu erfüllen – ein zentrales Anliegen für die nachhaltige Gestaltung des Neubaus.
Um in das Förderprogramm des Landes aufgenommen zu werden, wird die erste Planungsrate fristgerecht bis zum 30. November 2025 beantragt.
„Der Bürgerentscheid hat uns wichtige Klarheit verschafft – gleichzeitig hat sich dadurch der Zeitplan verschoben“, erklärt Brenneisen. „Wir rechnen aktuell mit einem Baubeginn im März 2029. Die Inbetriebnahme des neuen Klinikums ist für das Jahr 2034 vorgesehen.“
Präsentationsunterlagen zumJahrespressegespräch (ppt)
Text: P. Geiger
Bildquelle: P. Geiger

