In der Woche der Wiederbelebung zeigten Profis des Klinikums Mittelbaden und der regionalen DRK-Kreisverbände Schülerinnen und Schülern, worauf es bei der Wiederbelebung ankommt.
Bricht ein Mensch plötzlich zusammen, erleidet er einen Herzstillstand oder setzt seine Atmung aus, kommt es auf jede Minute an. Um keine Zeit zu verlieren, bis der Rettungsdienst eintrifft, ist es deshalb wichtig, dass möglichst viele Menschen wissen, was in der Zwischenzeit zu tun ist. Genau hier setzt auch die jährlich wiederkehrende Woche der Wiederbelebung an. Darum schulte das Klinikum Mittelbaden gemeinsam mit den regionalen DRK-Kreisverbänden auch in diesem Jahr wieder Schülerinnen und Schüler an neun Schulen in Baden-Baden, Rastatt, Sinzheim und Bühl zu den wichtigsten Maßnahmen der Wiederbelebung.
In den beteiligten Schulen lernten rund 700 Schülerinnen und Schüler vom 21. bis zum 25. September, wie sie einen Herz-Kreislauf-Stillstand erkennen, sich einen ersten Überblick verschaffen, den Notruf 112 absetzen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. An Trainingspuppen übten sie die Abläufe praktisch. Auch der Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators, kurz AED, gehört zur Schulung.
Einen aktuellen Bezug erhält die Aktion mit Blick auf die geplante Reform der medizinischen Notfallversorgung. Sie sieht unter anderem vor, die telefonische Anleitung zur Wiederbelebung durch die Leitstellen weiter zu stärken, Ersthelfende digital durch Smartphone-basierte Ersthelferalarmierung zu alarmieren und öffentlich zugängliche AED über ein AED-Kataster künftig besser zu erfassen und mit den Leitstellen zu vernetzen.
Alle Beteiligten vom KMB und dem DRK sind sich dabei einig: Technik und professionelle Rettung können sehr viel leisten. Von großer Bedeutung sind aber auch die Menschen, die in den ersten Minuten vor dem Eintreffen der Rettungskräfte vor Ort sind. „Mit unserer jährlich wiederkehrenden Aktion möchten wir jungen Menschen die Sicherheit geben, im Ernstfall nicht abzuwarten, sondern direkt zu handeln“, unterstreicht Dr. Timo Meier, einer der beiden koordinierenden Anästhesisten und Notfallmediziner.
Gemeinsam in den Schulen vor Ort
Die Woche der Wiederbelebung wird von der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Klinikum Mittelbadens koordiniert. Gemeinsam mit den DRK-Kreisverbänden Baden-Baden, Bühl-Achern und Rastatt besuchen die Schulungsteams die teilnehmenden Schulen in der Region.
Dieses Jahr waren die Klosterschule vom Heiligen Grab, das Pädagogium und das Gymnasium Hohenbaden in Baden-Baden, die Lothar-von-Kübel-Realschule in Sinzheim, das Windeck-Gymnasium in Bühl, das Ludwig-Wilhelm-Gymnasium, die Anne-Frank-Schule, die Handelslehranstalt und das Tulla-Gymnasium in Rastatt beteiligt.
Von Seiten des Klinikums begleiteten für die Schulen in Baden-Baden und Bühl Oberarzt Dr. Timo Meier, Anästhesie- und Intensivpflegerin Nadja Lederer und PJ-Studentin Jacqueline Dargatz sowie für die Schulen in Rastatt Oberarzt Dr. Markus Rieger, Notfallmanager Marco Kühn sowie die beiden Anästhesie- und Intensivpflegerinnen Anna Buchta und Carolin Molinari die Aktion. Unterstützt wurden sie von Seiten der DRK-Kreisverbände mit bis zu neun angehenden Notfallsanitätern. Darüber hinaus stellten die DRK-Kreisverbände auch Übungsmaterialien wie Reanimationspuppen und Übungs-AEDs zur Verfügung.
AED soll abschreckende Wirkung verlieren
„Besonders das gemeinsame praktische Training ist wichtig“, sagt der Leiter der Ausbildung im Rettungsdienst vom DRK Bühl-Achern, Nils Haag, stellvertretend für alle Praxisanleiter der DRK-Kreisverbände. Haag und seine Praxisanleiterkollegen Heike Zürn (Baden-Baden) und Claudio Kolberg (Bühl) stehen voll und ganz hinter diesem seit vielen Jahren währenden und sehr erfolgreichen Projekt. „Die Jugendlichen merken bei den Schulungen sehr schnell: Wiederbelebung ist nichts, wovor man Angst haben muss. Man kann wenig falsch machen aber sehr viel richtig durch schnelles Handeln.“
Auch der AED soll im Zuge der Trainings seine auf den ersten Blick für Laien abschreckende Wirkung verlieren. Die Geräte sind ausdrücklich für die Anwendung durch Laien konzipiert und führen Schritt für Schritt durch den Einsatz. Mit Blick auf die geplante Notfallreform werden sie eine wichtige Rolle spielen. Denn öffentlich zugängliche AED sollen künftig besser erfasst und digital mit den Leitstellen vernetzt werden.
Anästhesist und Notfallmediziner Dr. Markus Rieger sieht den besonderen Wert des Projekts darin, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur theoretisch lernen, wie Erste Hilfe geht. „Sie erleben selbst haut- und praxisnah, dass sie in einem Notfall handlungsfähig sind und Verantwortung übernehmen können.“
Das Klinikum Mittelbaden und die regionalen DRK-Kreisverbände führen die Schulungen bereits seit 2013 gemeinsam durch. In den vergangenen Jahren wurden so mehrere Tausend Schülerinnen und Schüler mit den Grundlagen der Wiederbelebung vertraut gemacht.
Alle Beteiligten ziehen nach der Woche der Wiederbelebung ein durchweg positives Fazit und geben der breiten Öffentlichkeit dabei eine bewusst einfache abschließende Botschaft mit auf den Weg: „Prüfen. Rufen. Drücken und wenn ein AED verfügbar ist: einsetzen.“
Text: P. Geiger
Bild: P. Geiger

